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Wir haben mit vielen Flüchtlingen gesprochen und fast alle haben Schlimmes auf der Flucht nach Deutschland erlebt. Hier sind die Geschichten, die uns am meisten bewegt haben.

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Nagm ist mit seinen Begleitern in Ungarn an betrügerische Schlepper geraten.

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Salwa wurde in Palästina geboren, lebte aber schon 14 Jahre lang in Libyen. Im Juni 2015 entschied sie sich wegen des dortigen Bürgerkrieges, mitsamt ihrer 18-köpfigen Familie zu fliehen. Von der libyschen Küstenstadt Sabrata wollte die Familie mit einem Fischerboot nach Italien (Syrakus) fahren. In dem Boot waren insgesamt 118 Menschen. Das Holzboot wurde von einem größeren, motorisierten Boot an einem Seil ins Meer geschleppt. Doch beinahe hätte Salwas Flucht dort ein jähes Ende genommen.

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Hakims Flucht dauerte mehrere Jahre und ging durch verschiedene Länder. In Italien geriet er an die Mafia.

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Eritrea - Sudan - Libyen - Italien - München - Chemnitz - Freital - Dresden

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Auch wir haben viel über die zum Teil schlechten Bedingungen gelesen, unter denen die Flüchtlinge in Deutschland in Zelten, Turnhallen und anderen Gebäuden untergebracht sind.

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In dieser ehemaligen Turnhalle sind bis zu 500 Flüchtlinge untergebracht. Betrieben wird die Unterkunft von den Johannitern (Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.), die sich alle Mühe geben, eine würdige Unterbringung sicher zu stellen. Wir haben uns bei einigen Beteiligten erkundigt, wie gut das klappt.

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In der großen Kreisstadt Freital leben etwa 360 Flüchtlinge in einem ehemaligen Hotel. Hier ist nicht fehlende Privatsphäre das Problem, sondern Langeweile. Ein neues Spielzimmer schafft Abhilfe. Das Personal hier sorgt sich vor gewaltbereiten Asylgegnern und will daher lieber unerkannt bleiben. Auskunft erteilt man uns dennoch gern.

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Die Versorgung mit Essen ist bei den vielen verschieden Kulturen natürlich nicht einfach. In Freital haben wir mit der Leiterin des Küchenpersonals gesprochen und sie hat uns Überraschendes erzählt.

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Wenn sie untergebracht sind, beginnt für die Flüchtlinge der Prozess der Integration. Elementar dabei ist das Erlernen der deutschen Sprache. Und wir konnten feststellen, dass hier freiwillige Initiativen und Flüchtlingsinteresse schon ganz gut ineinander greifen.

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Kaum ein Flüchtling kann schon Deutsch, wenn er hier ankommt. Umso interessanter fanden wir es, herauszufinden, wie sie deutsch lernen und was die ersten Worte waren.

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Dana wollte einfach helfen. Ihr war klar, dass die Flüchtlinge im Dresdner Zeltlager Deutsch lernen müssen. Also hat sie einen Ort ganz in der Nähe gesucht – und gefunden: Die Yenidze, ein Bürogebäude, dass im Stile einer Moschee gebaut wurde und früher als Zigarettenfabrik diente. Die Inhaber haben sich bereit erklärt, die Räumlichkeiten zum Lernen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

In Danas Klasse sind derzeit 22 Schüler, alle aus Afghanistan. "Reiner Zufall“, sagt sie, und hofft, dass noch andere dazu kommen.

"Ich habe die alle in mein Herz geschlossen. Das sind so liebevolle Menschen. Und wenn jetzt jemand fragt, 'Wer ist sie, dann antworten sie sehr schnell: Das ist meine Schwester'“, sagt sie lachend.

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Und während sich die deutschen Behörden sehr schwer mit der Organisation von Hilfsangeboten tun, zeigt Dana, dass es nur Flexibilität und ein bisschen Willen braucht.

"Ich hab eine Liste von Lehrern, wir bilden die aus. Und dann müssen wir nur noch Räume finden und ein bisschen Geld für Bücher zusammenkratzen. Dann geht’s los. So schwer kann das nicht sein.“

Die Lehrer sind teilweise noch Teenager, zumeist aber Lehramtsstudenten. Dennoch sind sie alles andere als Sprachexperten.

"Es ist ein Crashkurs, ehrlich gesagt. Es ist ein Tag von 9-15 Uhr, wo sie die Basics lernen, wie man eine Sprache beibringen kann. Sie haben aber die Möglichkeit, mit ausgebildeten Lehrern zu arbeiten. Und dann funktioiert das ganz gut.“

Finanziert werden ihre Kurse von Spenden. Firmen und Einzelpersonen beteiligen sich, melden sich teilweise von selbst bei ihr:

"Manchmal schreiben mich Leute auf Facebook an, weil sie 20 Euro spenden wollen, ich bekomme dann Bargeld, oder es wird mir überwiesen. Wir haben kein Spendenkonto, weil wir kein Verein sind.“

Auch ein Punkt, an dem die Politik leicht ansetzen und Vereinfachungen herbeiführen könnte.

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Auf die Frage, was sie von den Pegida-Protesten hält, antwortet Dana mit der unvorstellbar traurigen Geschichte eines Freundes.

"Er ist Vater und als sein Haus in Syrien bombardiert wurde, ist sein Sohn gestorben. Und er hat seine Leiche getragen. Ich kann mir das nicht vorstellen. Und man hört das und dann kann ich absolut nicht verstehen, warum all die Leute auf die Straße gehen und sagen: 'Wir wollen die Auswanderer hier nicht haben'. Sie sollen sich vorstellen, dass es andersrum wäre.“

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Kai ist einer von Danas freiwilligen Lehrern. Er hat zwar noch nie unterrichtet, doch dank jeder Menge Motivation und Danas Crashkurs war er bereit für seinen ersten Unterricht. Vor 22 Afghanen, die kaum ein Wort Deutsch konnten, gab er seine erste Stunde.

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Auch in Leipzig lernen viele Flüchtlinge eifrig deutsch - und begeistern damit die Helfer...

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Die Flüchtlings-Kinder sind beim Lernen der Sprache auf besondere Hilfe angewiesen.

In der Julius-Missbach-Grundschule in Neustadt müssen 20-40 von ihnen erst einmal deutsch lernen, um am Regelunterricht teilnehmen zu können. Das geschieht in sogenannten DaZ-Klassen. (DaZ = Deutsch als Zweitsprache). Nach und nach werden die Kinder dann in den Regelunterricht integriert. Direktorin Steffi Milantzkis erzählt uns, wie das funktioniert und wie die Neuankömmlinge aufgehoben werden:

"Die deutschen Kinder haben sehr hilfsbereit gegenüber den Flüchtlingskindern reagiert und kümmern sich rührend um sie. Sie zeigen ihnen die Wege, wo der Schuhschrank ist, wo sie ihre Jacken ablegen können. Sie haben sie sogar an bestimmten Stellen abgeholt, um ihnen zu zeigen, ob sie nun grad in die DaZ-Klasse oder in die Regelklasse müssen. Bei der Trennung ist deswegen auch oft ein weinendes Auge dabei."

Wichtig sei, dass bei jedem Kind eine Einzelentscheidung gefällt wird, je nach Sprachstatus. So haben die DaZ-Kinder auch ganz unterschiedliche Stundenpläne. Der zusätzliche Aufwand hat aber auch Vorteile.

"Die Lehrer sind aufgrund des großen Leistungsgefälles bei den deutschen Kindern sowieso sehr um differenzierten Unterricht bemüht. Nun kommt mit dem Sprachvermögen eben noch ein Differenzierungspunkt dazu. Leistungsschwache Kinder können von den zusätzlichen Erklärungen sogar profitieren."

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Natürlich gibt es auch kulturelle und religiöse Unterschiede, die Kinder oft nicht verstehen. Da sind die Lehrer als Vermittler gefragt.

"Kinder verteilen zum Beispiel sehr gerne Gummibärchen und da müssen wir wissen, dass darin oft Tierprodukte verwendet werden, die muslimische Kinder ablehen. Und damit unsere Kinder dadurch nicht vor den Kopf gestoßen werden, versuchen wir, zu vermitteln. Es gibt ja auch Gummibärchen ohne tierische Zusätze und da bieten wir entsprechende Alternativen an. Das ist eine Aufgabe für uns für die Zukunft: Uns noch besser mit den Lebensgewohnheiten der Herkunftsländer zu beschäftigen. Denn die gibt es nunmal und die sollten wir auch akzeptieren."

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Und bei all den Bemühungen um Routine gibt es auch immer wieder bewegende Momente für die Lehrer, wie uns die Direktorin erzählt.

"Wir hatten im vergangenen Jahr eine sehr moderne syrische Familie. Die Mutter hat uns sehr beim Dolmetschen geholfen. Ihr Sohn kam in die erste Klasse und hat auch alles gut bewältigt. Aber nur solange die Eltern da waren. In der Schule hat er nur geweint und es war ganz schwierig, mit ihm umzugehen. Da waren auch meine Kollegen sehr unsicher. Aber ich habe sie ermutigt und gesagt, dass er eine Eingewöhnungszeit braucht. Am Ende des Jahres war er genauso fit, wie seine Mitschüler."

Solche Erfolge sind das Ergebnis langer Erfahrung und großen Engagements. Denn schon seit 2003 ist die Schule Stützpunktschule für Migrantenkinder. Dank ihrer Erfahrung wissen die Lehrer, dass es wichtig ist, sich auch mit den Schicksalen der Kinder und ihrer Eltern zu beschäftigen, denn allzu oft haben sie Krieg und Flucht hautnah miterlebt.

"Meine Kollegen gehen mit hoher Professionalität an die Sache ran, um den Kindern Geborgenheit zu vermitteln, so dass sie sich wohl und vor allem sicher fühlen. Aber am Ende haben wir eine pädagogische Ausbildung und keine psychologische Ausbildung. Da sind uns auch Grenzen gesetzt."

Aus diesem Grund wünscht sie sich auch dringend eine ständige Sozialarbeiterin an ihrer Schule.

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Was bewegt die ganzen ehrenamtlichen Helfer, die Flüchtlinge zu unterstützen? Was für Erlebnisse sind ihnen dabei in Erinnerung geblieben? Diesen Fragen sind wir nachgegangen und wurden dabei sogar selbst Zeugen eines bewegenden Moments zwischen Helfer und Hilfsbedürftigen.

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Hier hat Kai den Deutschkurs entdeckt:

German Lessons for Refugees

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Während unseres Interviews mit Anna hat sich im Hintergrund etwas abgespielt, dass nicht nur auf unsere Gesichter ein breites Lächeln gezaubert hat.

Auf einmal fingen einige Flüchtlinge an, "Happy Birthday" zu singen und zu trommeln. In kurzer Zeit hatte sich eine bunte Menschentraube um einen jungen Helfer gebildet. Martin ist Dolmetscher für Arabisch, Englisch und Französisch und hatte an diesem Tag Geburtstag.

Kurz danach hat er mit uns gesprochen.

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Die Bandbreite der Reaktionen auf Flüchtlinge ist wirklich groß. Wir haben mit Anwohnern und Passanten in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften gesprochen.

Wie reagieren die Menschen auf die Flüchtlinge? Welche Sorgen sind mit den Neuankömmlingen verbunden - und welche Hoffnungen?

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In der Umgebung von geplanten und aktuellen Flüchtlingsunterkünften haben wir viele Menschen nach ihrer Meinung gefragt.

Sehr deutlich aufgefallen ist uns dabei: Je größer die Antipathie gegen Flüchtlinge, desto größer die Skepsis auch uns gegenüber. Das ging von der Ablehnung, seine Meinung öffentlich zu sagen über Anschuldigungen, wir würden sowieso nur lügen bis hin zu offenen Anfeindungen.

Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen, die wir auch sehr zu schätzen wussten - und die uns wichtig sind, um ein umfassendes Stimmungsbild zu erhalten.

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Viele Flüchtlinge haben von Pegida und deren Protesten, von Anschlägen auf zukünftige Asylunterkünfte, von Hetze und Agitation nur wenig oder nichts mitbekommen. Die meisten haben schlicht andere Sorgen.

Einige sind sich der Problematik aber durchaus bewusst. Und zu unserem Erstaunen gibt es sogar verständnisvolle Stimmen aus den Reihen der Asylsuchenden.

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...über Pegida-Teilnehmer.

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In vielen kleinen Orten werden kurzfristig Notunterkünfte eingerichtet. Das überrascht oft nicht nur die Anwohner, sondern auch die Lokalpolitiker. So wie in Friedersdorf, wo die Ankündigung, ein altes Hotel in eine Unterkunft für 50 Asylsuchende umzuwandeln, für Irritationen sorgt.

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Festzuhalten bleibt wohl, dass viele Menschen ein positiveres Gefühl gegenüber den Neuankömmlingen hätten, wenn sie im Vorfeld ordentlich informiert worden wären. Das ist der zuständigen Landesdirektion allerdings in vielen Fällen nicht gelungen. Darunter leidet die Akzeptanz der Anwohner gegenüber den Flüchtlingen gewaltig. Denn auf einen gemeinsamen Nenner können sich die meisten sicher einigen:

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Nach zwei Wochen und vielen interessanten, aufwühlenden und erschreckenden Gesprächen ziehen wir folgende Schlüsse:
Wirklich ausnahmslos alle Flüchtlinge sind uns freundlich begegnet.
Viele, besonders junge, Deutsche engagieren sich für Flüchtlinge.
Die, die gegen Flüchtlinge sind, haben noch nie oder nur ganz wenig Kontakt mit Flüchtlingen gehabt. Das was sie zu wissen glauben, haben sie gehört, gelesen oder über drei Ecken erfahren.

Nach unserem Besuch sind die Geschichten unserer Gesprächspartner natürlich weiter gegangen und schon bald werden wir wieder losfahren, um zu sehen, wie es einigen von ihnen geht. Und wir werden viele neue kennenlernen.

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Nach allem, was die Flüchtlinge durchgemacht haben, herrscht nach ihrer Ankunft in Deutschland vor allem ein Gefühl vor: Dankbarkeit!

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Kapitel 1 Auf der Flucht: Flüchtlinge erzählen

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Kapitel 2 Am Ziel: Zelte, Turnhalle oder Hotel?

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Kapitel 3 Der Weg: Sprache lernen

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Deutschlernen

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Kapitel 4 Der Blickwinkel: Helfer berichten

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Kapitel 5 Der Eindruck: Deutsche Reaktionen

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Kapitel 6 Ein Dankeschön zum Schluss

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