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Los geht's

Kino im Wandel

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2002 wurden die Digital Cinema Initiatives (DCI) gegründet, bestehend aus den wichtigsten Hollywood-Filmstudios Disney, Fox, Paramount, MGM, Sony, Universal und Warner. Sie begannen, einen digitalen Standard in der Filmdistribution durchzusetzen. Bis 2009 wurden rund 10.000 Leinwände weltweit auf digitalen Standard umgestellt.

Im Laufe des Jahres 2015 haben auch die letzten deutschen Filmverleihe das Herstellen und Verschicken analoger Filmkopien eingestellt. Die Filme sind jetzt ausschließlich digital erhältlich.    

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Die geläufigsten Analogfilmformate sind Super 8 und 16mm (Schmalfilm), 35mm (Normalfilm) und 70mm (Breitfilm) - die Zahlen stehen dabei jeweils für die Breite des Materials. Vor der Digitalisierung war der 35mm-Film die gängigste Variante, der 70mm-Film hat sich nie flächendeckend durchgesetzt. Früher bestand Film aus Zelluloid, mittlerweile ist es eine mit Tri-Acetat und Polyester beschichtete Folie.

Hier zu sehen ist 35mm-Film, links die Tonspur (blau).

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Der Filmtechniker Prof. Slansky erklärt analoge Filmprojektion

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Mittlerweile werden Filme als sogenannte "DCPs" ("Digital Cinema Package") gespeichert. Die Verleiher schicken den Kinos dann Festplatten, die man an einen Server anschließt und darauf überträgt. Bisher noch wenig verbreitet ist auch eine neuere Technologie, bei der die Filme per Satellit an die Server übertragen werden. Einige Verleiher verschlüsseln ihre Filme, was bedeutet, dass nur mit dem entsprechenden "Key" auf die DCP zugegriffen werden kann. Funktioniert der Key nicht, kann auch der Film nicht abgespielt werden. Der Key hat eine begrenzte Gültigkeit und regelt somit, wie lange das Kino einen gebuchten Film abspielen kann.

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Der Filmtechniker Prof. Peter Slansky über digitale Filmprojektion

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2011 bat die Mitteldeutsche Medienförderung den Filmverband Sachsen, sich mit der Digitalisierung zu befassen. Daraufhin befragte der Verband 50 sächsische Kinos zu technischem Standard, Umsatz und Interesse an der Umrüstung. Die Ergebnisse nutzten dann die Filmförderungsanstalt, das Kunstministerium und der Landtag. Der Filmverband hat die sächsischen Kinos über die Jahre bei der Digitalisierung begleitet.

Geschäftsleiter Christian Zimmermann erzählt, er hätte gerne eine europäische Alternative zum amerikanischen DCI-Standard gesehen - aber die rasend schnelle Entwicklung habe es kaum zugelassen, rechtzeitig zu agieren.

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Eine digitale Umrüstung auf DCI-Standard kostet pro Leinwand zwischen 50.000 und 80.000 Euro - ein Betrag, der für ein Programmkino nicht leicht zu tragen ist. Die Filmförderungsanstalt FFA und die Bundesregierung für Kultur und Medien haben von 2011 bis 2014 Fördersummen von insgesamt 36 Millionen Euro bereitgestellt, damit Kinos auf digitale Technik aufrüsten konnten. Um gefördert zu werden, musste ein Kino entweder genügend Umsatz oder Besucher haben - oder sich in einem besonders kleinen Ort befinden. Weil dabei dennoch einige Kinos auf der Strecke blieben, rief die FFA 2014 noch eine weitere Förderung ins Leben, das auch kleinen Kinos den Umstieg ermöglichen sollte. Dadurch konnten noch einmal 52 Kinos umgerüstet werden.

In Sachsen wurden von 2011 bis 2014 49 größere und 10 kleine Programmkinos gefördert.
   

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In Deutschland lassen sich zwei Systeme zum Abspielen digitaler Filme unterscheiden. Das "D-Cinema" entspricht dem DCI-Standard und ist somit das "offizielle" System. Stephan Wein, Softwareentwickler und Webadministrator der Leipziger Cinémathèque, hatte 2011 die Idee, eine Alternativform zu entwickeln. Er war empört über die enormen Kosten und betrachtete sie als unnötig: "Im Grunde braucht es nichts weiter, als einen Rechner, der die DCPs abspielt", sagt er. Dazu nahm er Kontakt zum Fraunhofer Institut auf, die eine Software zum Abspielen von Videos verwenden. Gemeinsam arbeiteten sie am "A-Cinema", das fortlaufend weiterentwickelt wird und sich nur auf rund 5.000 Euro Kosten beläuft.

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Stephan Wein und Sven Wörner der Leipziger Cinémathèque sehen die Abhängigkeit der Kinos vom DCI-Standard als Gefahr. Die Förderung der FFA der kleinen Kinos 2014 bezog sich nur auf DCI-Systeme - ein Kino, das A-Cinema installieren wollte, bekam keine Unterstützung. Das führte dazu, dass auch nahezu alle kleinen Kinos auf DCI umgerüstet haben. Stephan Wein sagt, man schätze die Anzahl der A-Cinema nutzenden Kinos deutschlandweit auf unter 25.

Problematisch ist das deshalb, weil einige Verleiher A-Cinemas nicht beliefern. Als Grund geben sie an, das alternative System weise nicht ausreichend Qualität und Sicherheit auf. Gründe, die Wein als vorgeschoben einstuft - zu Analogfilmzeiten hätten die Verleiher auch keinen Wert auf den Zustand der Kopien gelegt, und auch auf DCI-Systeme könne man mit etwas Aufwand zugreifen.

Ein weiteres Problem sei die Zukunft der mit DCI ausgerüsteten kleinen Kinos. Wenn ein DCI-Projektor kaputtgeht oder die Technik sich weiterentwickelt, sind sie auf die teuren Produkte der Hersteller angewiesen. Das A-Cinema könne hier Abhilfe schaffen, da man auf die Technik zugreifen könne und die Kosten um ein Vielfaches geringer seien.

Mit der ausschließlichen Förderung des DCI-Standards für kleine Kinos habe die FFA dieses Monopol bestärkt, sagt Stephan Wein. Gäbe es mehr Kinos mit dem A-Cinema System, könne man bei den Verleihern etwas bewirken und insgesamt diesem Monopol Widerstand leisten.  

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Im Januar 2016 haben die 17. Dresdner Schmalfilmtage stattgefunden. Dort wird außer Schmalfilm (8- und 16mm) auch 35mm und Digitalfilm gespielt. Die Bedingung ist, dass die Filme ursprünglich auf Schmalfilm gedreht worden sein müssen.

Mitorganisator Valentin Steinhäuser erklärt, dass sich das Festival nicht als Gegenbewegung zum Digitalfilm sieht. Vielmehr sei es so, dass künstlerische Filme zu großen Teilen noch immer auf Analogfilm gedreht würden. Solchen Filmen wolle das Festival eine Plattform bieten. Steinhäuser ist überzeugt, dass der Analogfilm nie ganz aussterben wird, weil er das Medium der Amateure, Dokumentarfilmer, Künstler und Avantgardefilmer sei.

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MOBILESKINO ist ein Zusammenschluss Super8-Filmschaffender, Sounddesigner und Elektroniker. Auf den Dresdner Schmalfilmtagen stellen die Mitglieder Florian Olloz und David Pfluger ihr Projekt Do8Yourself vor, bei dem sie digitalen Film in analogen verwandeln.

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David Pfluger von MOBILESKINO Basel

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Manche Regisseure sind dem digitalen Film abgeneigt und legen Wert darauf, analog zu drehen. So zum Beispiel Christopher Nolan, der den Science-Fiction Film "Interstellar" auf 70mm drehte. Auch Quentin Tarantino weigert sich, auf digital umzusteigen. Seinen aktuellsten Film "The Hateful Eight" drehte er ebenfalls auf 70mm. Vier Kinos in Deutschland spielen ihn von einem 70mm-Projektor ab: Die Schauburg in Karlsruhe, die Lichtburg in Essen, das Savoy in Hamburg und der Zoo Palast in Berlin.

Aber auch viele andere aktuelle Filme wurden analog gedreht - auch, wenn die Kinos meist eine digitale Kopie abspielen - darunter der aktuelle James Bond Film "Spectre" und Star Wars Episode VII "The Force Awakens".  

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Kinobesitzer und Filmvorführer Bernhard Reuther erklärt, die digitale Filmdistribution und -vorführung habe ihm Einiges erleichtert. Früher sei es oft schwer gewesen, als Ein-Raum-Kino Filme zu bekommen, da die Analogkopien rar waren und die Verleiher sie lieber größeren Kinos schickten. Heute sei das kein Problem mehr. Ein weiterer Vorteil: Da die Filmvorführung nun mit weniger Aufwand verbunden ist, kann man eine Schicht gut alleine stemmen - wichtig für ein Kino mit wenig Personal wie das Kino im Dach.   

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"...aber als sie da war, fand man sie gar nicht so schlecht", erzählt Kinobetreiber Sven Weser. Das Programm ließe sich flexibler, kurzfristiger und individueller gestalten. Vor allem die originalen Sprachfassungen der Filme bekomme man seit der Digitalisierung sehr viel schneller, da keine separate Filmkopie geliefert werden muss - früher habe man mitunter Monate auf die Originalfassung gewartet.

Einen Nachteil sieht Weser aber in der hohen Fehleranfälligkeit der Digitalprojektoren. Ein paar Mal schon sei ein Saal über mehrere Tage komplett ausgefallen. Bei analoger Filmprojektion hätte man eher improvisieren können, jetzt sei man auf einen Techniker angewiesen, der nicht immer am Folgetag schon kommen könne. 

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Seit der Sanierung des Hörsaals hat das Studentenkino zwar einen Digitalprojektor, aber keinen Server, um Digitalfilm abzuspielen. Daher heißt es für die rund zehn ehrenamtlichen Filmvorführer: analog oder Bluray. Wenn analog gespielt wird, dann allerdings gleich richtig: Mit zwei historischen Projektoren des ehemaligen Militärkinos spielen sie im Umschaltbetrieb mit Überblendung. Das heißt, alle zwanzig Minuten wird der eine Projektor aus- und der andere angeschaltet - immer, wenn eine Filmrolle abgespielt wurde und die nächste an der Reihe ist.

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Kinobetreiber Stefan Raack gefällt die politische Abhängigkeit nicht, die die Digitalisierung mit sich bringt. Er macht sich Sorgen um die Zukunft seines Kinos - was passiert, wenn der Digitalprojektor kaputt geht und neue Technik hermuss? Eine weitere Förderung ist seiner Einschätzung nach eher unwahrscheinlich.


Viel mehr noch beschäftigt ihn aber die Entwicklung der Programmkinos. Durch die Digitalisierung gibt es ein Überangebot an Filmen, die jedes Kino problemlos ins Programm nehmen kann, weil keine Knappheit an Kopien herrscht. Dadurch entsteht eine Flut an Möglichkeiten, das Programm erweitert sich und das eigentliche Konzept eines Programmkinos - jeden Monat ein stabiles Programm mit wenigen Filmen, auf deren Qualität man sich verlassen kann - verschwindet immer mehr. Raack bedauert das und will die Qualität seines Programms weiterhin aufrechterhalten.  

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Nora Freytags Programmkino "Cineding" nutzt eine Form des von Stephan Wein initiierten A-Cinema. Da die von ihr verwendete Software allerdings aus Slowenien stammt, nennt sich das System "Neo-DCP".

Anfang 2014 hat die Kinobetreiberin das digitale System angeschafft - wenige Monate später wurde bekannt, dass die FFA nun speziell kleine Kinos noch fördern will. Das war Pech, andererseits wäre ihre Vorführkabine für sowohl Analog- als auch Digitalprojektor nicht groß genug gewesen - und vom Analogprojektor wollte sie sich nicht trennen. Sie hätte sich also wohl in jedem Fall für eine Alternativversion entschieden. Wenn es sich anbietet, spielt Nora Freytag noch analog: "Das ist dann etwas sehr Besonderes", erzählt sie.

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Das älteste Kino in Leipzig besteht seit 1912 und ist Veranstaltungsort für Filme und Konzerte. Drei Filme in der Woche zeigt das Kino, und war aufgrund zu geringer Zuschauerzahlen für eine Förderung nicht qualifiziert. Im Laufe des Jahres 2016 wollen sie aber auf das A-Cinema umsteigen und somit auch in die digitale Kinowelt eintauchen. Diese Entscheidung kam allerdings aus der Not heraus - ein Freund der Digitalisierung sind sie nicht. Regelmäßig zeigen sie noch Stummfilme mit Livemusik-Begleitung in analoger Fassung.

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Prof. Peter Slansky über digitales Vorführen

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Um einen Film digital zu zeigen, muss man nur ein paar Knöpfe drücken. Kinos mit mehreren Sälen automatisieren sogar die wenigen Einstellungen, die der Vorführer noch vornehmen müsste - Trailer, Filmstart, Raumbeleuchtung - sodass sie die Vorführkabine nicht einmal mehr betreten müssen.

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Einlegen eines analogen Films.

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Filmtechniker Prof. Peter Slansky über die Unterschiede in der Lebensdauer analoger und digitaler Projektoren.

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Analogfilm nutzt sich mit der Zeit ab. Durch die mechanische Beanspruchung verliert sowohl das Bildmaterial als auch die Tonspur im Laufe der Zeit an Qualität. Das kann durch sorgfältige Pflege zwar verzögert, aber nicht aufgehalten werden. Dieses Problem besteht beim Digitalfilm nicht - die Archivierung der digitalen Daten bereitet Wissenschaftlern allerdings Sorgen.

Filmhistoriker Dr. Dirk Alt erläutert diese Problematik.  

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Filmhistoriker und Dokumentarfilmer Dr. Dirk Alt

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Durch die Digitalisierung ist der Film physisch nicht mehr greifbar und die Filmgeschichte droht, verloren zu gehen.

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Kapitel 3 Finanzierung

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Kapitel 4 Nostalgiker unter sich

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Kapitel 5 Was bedeutet das für die Kinos?

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Kapitel 6 Konfliktpunkte der Digitalisierung

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