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Medizin im Osten

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MEDIZIN IM OSTEN
Die Webreportagen zu "Hauptsache Gesund extra"

Sendetermine: 
17.11.2016: Kommen Schwester Agnes und die Polikliniken zurück?
24.11.2016: Kinderkriegen – damals und heute

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Wenn es um die Geburt geht, steht nur eines fest: Kinder werden von Frauen geboren. Alles andere unterliegt dagegen dem Wandel. Wie eine Geburt abläuft, wie Neugeborene versorgt werden und vieles andere hat sich verändert. Und manches, was heute selbstverständlich ist, war noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar. 

Kaum denkbar war lange auch auch die Möglichkeit medizinischer Hilfe, wenn der Kinderwunsch unerfüllt blieb. Heute dürfen Paare dagegen auf das Können der Reproduktionsmedizin hoffen. 

Mit einem Blick in die Vergangenheit und in die Uniklinik Halle (Saale) erzählen wir die bewegte und wechselhafte Geschichte des Kinderkriegens. 

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Wunder mit Gefahren

Eine Geburt ist immer ein Wunder – und doch zugleich auch mit Risiken für Mutter und Kind verbunden. Dank engagierter Ärzte, Hebammen, Schwestern und Pfleger ließen sich viele Gefahren im Laufe der Jahrzehnte erheblich reduzieren.

Das fing damit an, dass Frauen ihre Kinder nicht mehr zu Hause, sondern zunehmend in Kliniken zur Welt brachten. Die Umgebung war hygienischer und machte es möglich, bei Komplikationen schnell einzugreifen. Doch diese Veränderung hatte auch ihre Schattenseite, wie wir später zeigen werden. 

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Gut vorbereitet

Auch die Mütter haben sich geändert. Sie liefern sich dem Geburtsgeschehen nicht mehr passiv aus, sondern gehen heute viel selbstbewusster an die Geburt heran. Immer häufiger kommen Frauen mit konkreten Vorstellungen und Wünschen in den Kreißsaal.

Oft haben sie sich in Kursen mit einer Hebamme darauf vorbereitet. Solche Kurse sind meist auch ein Treffpunkt für werdende Mütter, die sich dort nicht nur über ihre Schwangerschaften austauschen. 

Geburtsvorbereitungskurse gab es auch schon früher. Allerdings liefen sie damals weniger locker ab, wie der folgende Ausschnitt aus einem Fernsehbeitrag von 1958 zeigt: 

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Geburtsvorbereitung anno 1958

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Massenpflege

In der Klink fand die Geburt eines Kindes zwar unter besseren hygienischen Bedingungen statt als im häuslichen Umfeld. Ideal waren die Bedingungen trotzdem nicht. 

Die Kindersäle etwa, in denen die Baby die meiste Zeit fern von ihren Müttern lagen, sollten die Kleinen vor Keimen und Erregern schützen. Doch das Gegenteil war der Fall: Unter den dicht beieinander liegenden Säuglingen konnten sich Infektionen viel schneller ausbreiten.

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Prof. Dr. Friedrich Röpke hatte als Geburtshelfer angefangen und wurde später Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin am Uniklinikum Halle. Er nahm schon früh Anstoß an den Zustände in der Klinik und den Umgang mit Müttern und Kindern. 

Röpke war 1939 in Tansania zur Welt gekommen, wo sein Vater als Arzt in einem Missionshospital tätig war. Vielleicht war ihm durch diese Herkunft beides in die Wiege gelegt: Die Medizin und der ganzheitliche Blick auf den Menschen. Diese Haltung prägte auch sein Wirken in Halle. 

Er verstand nicht, warum die Kinder erst einmal von ihren Eltern getrennt werden, kaum dass sie auf der Welt waren. Sollten sie nicht von Anfang an Familie erfahren können und die Möglichkeit haben, Beziehungen zu Mutter und Vater entwickeln zu können? 

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Der neue Mann

Prof. Dr. Friedrich Röpke förderte auch eine neue Sicht auf die Rolle des Mannes. Lange wurde er von der gebärenden Frau ferngehalten. Sein neugeborenes Kind durfte er nicht in den Arm nehmen, sondern nur durch eine Scheibe betrachten. Statt von Anfang an wichtige Bezugsperson zu sein, sah man in ihm auf den Geburtsstationen vor allem eine „Keimschleuder“.

Erst später wurde erkannt, dass das Gegenteil der Fall ist: Der Kontakt mit Mutter und Vater samt ihren Keimen sind wichtig für das Kind und trainieren sein Immunsystem von Anfang an. 

Röpke verstand die Geburt als wichtiges Familienereignis und weniger als einen rein klinischen Vorgang. Dieses Umdenken führte auch zu einer Entwicklung, die lange undenkbar war: Der Mann ist bei der Geburt mit dabei! Das erste Mal durfte 1976 an der Klinik in Halle ein Vater seine Frau bei der Geburt unterstützen und sein Neugeborenes in den Arm nehmen. 

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Sicherheit und Komfort 

In den Kreißsälen steht bald die gebärende Frau im Mittelpunkt. Wie lässt sich die Geburt für sie so angenehm wie möglich gestalten? Die Antwort lautet: Komfort statt abwaschbare Gummimatratze! Die Bilder oben von der alten Geburtsstation in Halle zeigen, wie dieser Gedanke in den 1990er-Jahren umgesetzt wurde. 

Gleichzeitig gab und gibt es immer auch die Möglichkeit, bei Komplikationen sofort einzugreifen und Mutter und Kind mit allen Mitteln der Medizin zu helfen, wie die Bilder unten aus dem OP-Bereich zeigen. 

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Der Soundtrack der Geburt

Die Klinik für Geburtshilfe in Halle ist inzwischen umgezogen. Der neue Kreißsaal ist eine Wohlfühloase auf 50 Quadratmetern mit allen Raffinessen der modernen Geburtshilfe.

Auf die Badewanne ist man hier besonders stolz. Sie kann nämlich unter Wasser Musik abspielen. Den Soundtrack für die Geburt kann die Frau selber mit ihrem Smartphone mitbringen und per Bluetooth zur Wanne übertragen.  

Klinikchef Prof. Dr. Michael Tchirikov steht voll und ganz hinter dem Konzept: 

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Klinikleiter Prof. Dr. Michael Tchirikov über das Zusammenspiel von Luxus und Sicherheit.

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Hörtest mit Glocke: So wurde 1976 getestet, ob die Ohren eines Säuglings gesund sind. Zum Glück gibt es heute sanftere Methoden.

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Jedes siebte Paar in Deutschland kann heute mit nur mit ärztlicher Unterstützung schwanger werden. Dr. Petra Kaltwaßer arbeitet seit 34 Jahren im Kinderwunschzentrum der Uniklinik Halle. Die Gynäkologin erzählt im Interview, worin die Ursachen für Kinderlosigkeit liegen und wie geholfen werden kann: 

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Die Gynäkologin Dr. Petra Kaltwaßer über die Ursachen von Kinderlosigkeit und die Möglichkeiten der In-Vitro-Fertilisation (IVF).

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Seit fast vierzig Jahren ist Albrecht Kunzmann Landarzt in Kitzen. Jetzt naht der Ruhestand, aber genau das bereitet ihm Unruhe, denn er findet einfach keinen Nachfolger. Dabei zeigt die Geschichte der bereits seit 1939 bestehenden Praxis: Auf dem Land Arzt zu sein, ist durchaus bewegend und erfüllend. 

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Albrecht Kunzmann ist Facharzt für Allgemeinmedizin und für 5000 bis 6000 Menschen zuständig. Er kennt seine Patienten – und meist auch ihre ganze Familie. In dieser Nähe zu den Menschen sah er schon 1984 als junger Arzt einen unschätzbaren Vorteil des Landarztberufs: 

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Albrecht Kunzmann in der "Aktuellen Kamera" (1984)

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Aber auch die Patienten kennen ihren Arzt und seine Familie: Silvia Kunzmann nimmt die Patienten in Empfang und unterstützt ihren Mann, wo sie nur kann.

Auch sie wünscht sich, schnell eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, denn ohne Arzt will sie sich Kitzen nicht vorstellen, schließlich kennen die Patienten "ihren Doktor" – seit Generationen: 

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Silvia Kunzmann will sich Kitzen nicht ohne Arzt vorstellen. 

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Längst ist vergessen, dass Kitzen schon eine lange Zeit ohne Arzt hinter sich hat. Es war Dr. Annie Kunzmann, die Mutter von Albrecht Kunzmann, die 1939 dieser Zeit ein Ende setzte und die seit langem leerstehende und halb verfallene Praxis übernahm. 

Leicht hatte sie es nicht. Es war gar nicht so einfach, genügend Mobiliar zu bekommen. Außerdem hatte die Westfälin ihre Schwierigkeiten mit den Eigenheiten des Sächsischen. Und dann musste sie neben dem menschlichen Patienten auch ab und zu ein Tier mit behandeln. Sie meisterte alle Herausforderungen – auch die des Krieges, der kurz nach der Praxiseröffnung ausbrach. Ihre lesenswerten Erinnerungen hat Albrecht Kunzmann auf seiner Website veröffentlicht. 


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Nach dem Krieg konnte sich Annie Kunzmanns Ehemann Dr. Otto Kunzmann auch in Kitzen niederlassen. Mit ihm konnte sie endlich die enorme Menge an Arbeit teilen, die ihr bis dahin kaum einen freien Tag gelassen hatte. Außerdem war es Annie Kunzmann jetzt möglich, sich verstärkt um die Geburtshilfe zu kümmern.

Die Bilder zeigen die Praxis im Jahr 1961. Im Jahr 1967 brauchten die Ärzte ein neues Auto. Das wurde ihnen aber nur zugesichert, wenn sie ihre Praxis in eine staatliche Praxis umwandeln. Offiziell gehörte die Praxis jetzt also dem Staat. De facto blieb sie aber in der Hand der Kunzmanns. 

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Während die Eltern noch praktizierten, studierte Albrecht Kunzmann in Leipzig Medizin. Zwischendurch half er schon in der elterlichen Praxis aus. 

Als Vater Otto Anfang der 1980er-Jahre aus gesundheitlichen Gründen in Rente ging, übernahm Sohn Albrecht die Praxis – und die Patienten. 

An seiner Liebe zu den Besonderheiten des Lardarzt-Daseins hat sich bis heute nichts geändert: 

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Wie in Kitzen fehlt es in vielen ländlichen Gegenden Deutschlands an medizinischem Nachwuchs. Mit Geld versuchen einige Länder Ärzte und angehende Ärzte aufs Land zu locken.

Mit finanziellen Mitteln will etwa Thüringen Allgemeinmediziner für eine bestimmte Zeit binden. Sachsen und Sachsen-Anhalt vergeben Stipendien an Medizinstudierende, die sich dazu verpflichten, nach dem Studium auf dem Land zu praktizieren. Allerdings haben diese Fördermaßnahmen nicht überall zu dem gewünschten Erfolg geführt.

Doch die Hoffnung bleibt, dass sich in naher Zukunft eine Ärztin oder ein Arzt mit Interesse an einer Praxis auf dem Land meldet. 

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Kapitel 3 Arzt sucht Arzt

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