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Orte der Arbeit II

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Von der Altenburger Wollspinnerei über die Kunstblumen aus Sebnitz bis zum Heiligenstädter Unternehmen Solidor: Diese multimediale Reportage gibt einen Einblick in frühere Betriebe der DDR bis heute.

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Bereits 1829 wurde in Altenburg eine Wollspinnerei mit eigener Färberei gegründet. 1948 wurden die damaligen Besitzer enteignet und der Betrieb in die VEB Altenburger Wollspinnerei - kurz ALWO - umgewandelt.

Die ALWO war der einzige Hersteller von Wolle in der DDR. Insgesamt 2.200 Angestellte produzierten ca. 3.000 Tonnen Handstrickwolle.



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In den 1950er- und 1960er-Jahren war das Stricken in der DDR besonders populär. Das hatte wirtschaftliche, aber auch modische Gründe. Von selbstgestrickten Pullovern bis hin zu Hosenanzügen - der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt.

Um die neusten Stricktrends zu präsentieren, führte ALWO bei Betriebsfeiern Modeschauen ein.

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Die Produktion bei ALWO verlief nicht immer problemlos:  Eine große Herausforderung stellten die für die Produktion teuer gekauften Maschinen aus dem Westen dar. Für sie Ersatzteile zu beschaffen, war offiziell untersagt.

Der ehemalige Betriebsleiter der ALWO, Johannes Förster, erinnert sich noch gut an diese Zeit.



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Johannes Förster - ehemaliger Werkleiter bei ALWO

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Die Mitarbeiter der ALWO kannten sich untereinander und arbeiteten oft jahrzehntelang zusammen. Als einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region, waren dort ganze Familien beschäftigt.

So auch die Familie des ehemaligen Betriebselektrikers der ALWO, Jürgen Läbe.

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Jürgen Läbe - ehemaliger Betriebselektriker

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Ab den 1970er-Jahren wurden verstärkt Strickwaren wie Pullover und Kleider in die DDR importiert. Das Selbststricken kam zunehmend aus der Mode. 

ALWO wurde die produzierte Wolle nicht mehr los und blieb auf über hundert Tonnen Überschuss sitzen.


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Als letzter Wollproduzent in Deutschland musste auch die Altenburger Wollspinnerei ihre arbeits-, wasser- und energieintensive Produktion im Jahr 2002 einstellen.

Mit dem Verkauf der Maschinen und der Schließung des Werks endete eine 175-jährige Tradition, die das gesamte Altenburger Land geprägt hatte.

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Die Wolle der Marke ALWO wird auch heute noch verkauft. Allerdings befinden sich die Produktionsstätten mittlerweile in  Südeuropa oder Asien.

An die einstige Hochzeit der Altenburger Wollspinnerei erinnert nur noch das alte Fabrikgelände.

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Ob Rosen, Nelken oder Gladiolen: Die Kunstblumen aus Sebnitz stehen den Originalen in nichts nach. Die heute noch existierende Sebnitzer Manufaktur zählt weltweit zu den wenigen, in denen noch Kunstblumen in traditioneller Handarbeit gefertigt werden.

Doch wie begann die Erfolgsgeschichte der Sebnitzer Blumen, die nie verwelken?

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"Geblümelt" wird in Sebnitz bereits seit 1834. Die Anfänge dieser Handwerkskunst gehen auf  Blumenmacher aus Böhmen zurück.

Mit dem Beitritt Sachsens in den Deutschen Zollverein 1833 wurden die Kunstblumen aus Böhmen mit hohen Zöllen versehen, sodass die Herstellung und der Handel mit der künstlichen Blütenpracht nach Sebnitz verlagert wurde.

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Industriegeschichte der Kunstblumenstadt Sebnitz

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Im Jahr 1928 erreichte der Kunstblumenhandel seinen Höhepunkt: 75 Prozent des Weltmarktbedarfs an Kunstblumen wurden im Gebiet Sebnitz-Neustadt hergestellt.

Zu DDR-Zeiten arbeitete fast die Hälfte der Einwohner im VEB Kunstblume Sebnitz. Die Stadt war bis 1990 das Zentrum der europäischen Kunstblumenproduktion und berühmt für seine hochwertigen Blumen und Mode-Accessoires.

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Die arbeits- und materialintensive Produktion wurde während der DDR staatlich unterstützt. Mit der Wiedervereinigung fiel diese Unterstützung weg, zusätzlich machten die kostengünstig produzierten Blumen aus China große Konkurrenz.

Das Werk in Sebnitz konnte nach der Wende nicht mehr kostendeckend wirtschaften, viele Angestellte wurden entlassen.


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Trotz der Widrigkeiten, entschlossen sich 1992 acht Mitarbeiter eine Kunstblumen-Manufaktur in Sebnitz zu gründen, um dort die Handwerkskunst fortzführen. In der Schaumanufaktur geben sie Touristen Einblicke in ihre Arbeit.

Die kunstvollen Seidenblumen aus dem sächsischen Ort schmücken aber auch heute noch Hochzeitstafeln und sogar edle Hüte im britischen Königshaus.

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Für ihre Arbeit verwendet die Manufaktur bis heute Stanz-und Prägwerkzeug, das aus den Jahren zwischen 1880 und 1990 stammt.

Damit können die "Blümler" fast jede Blume dieser Welt nachbilden und sie erhalten die für Sebnitz so wichtige Tradition der Kunstblumen-Herstellung. 



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Als einstiger Marktführer im sozialistischen Wirtschaftsraum ist das VEB Kombinat Solidor Heiligenstadt vor allem für Reißverschlüsse bekannt.

Der Nachfolgebetrieb "Heiligenstädter Reißverschluss" produziert noch heute Kunststoff- und Metallzipper und blickt auf eine lange Tradition zurück.

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Seit 1870 bestimmte die Fertigung von KIeinmetall- und Hartkurzwaren die städtische Industrie.

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Bis zur Wiedervereinigung umfasste der Verbund des VEB Kombinat Solidor sieben Betriebe mit 7.000 Beschäftigten.

Mit mehr als 80.000 verschiedenen Artikeln - von Chirurgie-Nadeln über Lederbeschläge bis hin zu Regenschirmen - war das Kombinat der zentrale Zulieferer für die Textil-, Schuh- und Lederindustrie.

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Das VEB Kombinat Solidor verfügte als einziger ostdeutscher Produzent über ein Patent zum Herstellen abgedichteter Reißverschlüsse.

Nach diesem Verfahren wurden jährlich 80 Millionen Meter Reißverschluss produziert.

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Mit dem Einzug der Marktwirtschaft stieg die Konkurrenz. Vor allem Billiganbieter aus Asien gefährdeten die Existenz von Solidor.

Um sich dieser Herausforderung zu stellen, wurde das frühere Kombinat in die Solidor AG umgewandelt. Da sie sich jedoch nicht am Markt behaupten konnte, zerfiel das Unternehmen in einzelne selbstständige Betriebe.

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Neben dem Heiligenstädter Reißverschluss setzen der Autozulieferer Magna, der Maschinenhersteller SIM Automation, der Bandtechnikproduzent Simonswerk sowie Solidor Heuer das betriebliche Erbe der Heiligenstädter Leichtindustrie fort.

Bei Solidor Heuer im alten Stammhaus werden bis heute Kleinmetallprodukte wie Schrauben, Schlüsselringe, oder Steckverbindungen für Elektrokabel hergestellt.

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Noch heute stehen viele der ehemaligen Produktionsstätten der DDR, verfallen und verlassen. Die Orte, die ganze Regionen und Familien über Jahrzehnte geprägt haben - sie werden langsam verschwinden.


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