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Los geht's

NSU-Prozess und die anderen neun Ermittlungsverfahren

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Eine FAKT-Multimedia-Reportage.

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Am 6. Mai 2013 nimmt Beate Zschäpe zum ersten Mal auf der Anklagebank vor dem Oberlandesgericht München Platz. Anderthalb Jahre nach ihrer Festnahme ist sie die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Neben der damals 38-Jährigen stehen vier weitere Beschuldigte vor Gericht.

Es ist ein Mammutverfahren. Nach mehr als fünf Jahren, mit mehr als 420 Verhandlungstagen, rückt nun das Urteil in greifbare Nähe.

Doch die Aufklärung der Verbrechen des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie beschäftigt auch weiterhin zahlreiche Untersuchungsausschüsse in mehreren Bundesländern.

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Irene Mihalic, B90/Grüne

Obfrau im zweiten NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages

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Die Bundesanwaltschaft konzentriert sich im Prozess in München auch aus Verfahrensgründen auf das sogenannte Kerntrio bestehend aus Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sowie die vier weiteren Angeklagten, Ralf Wohlleben, Thomas G., André E. und Carsten S..

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Fernab der öffentlichen Wahrnehmung laufen seit circa sechs Jahren neun  weitere Verfahren: Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt gegen neun Beschuldigte im Umfeld von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt:

* Jan W.
* Thomas S.
* Matthias D.
* Mandy S.
* Max B.
* Hermann S.
* Pierre S. 
* Andre K.
* Susann E.

Sie sollen dem Trio Unterschlupf geboten, Wohnungen angemietet, Identitäten geliehen, Pässe, Geld und sogar Waffen beschafft haben.

Der Tatvorwurf wiegt schwer: Unterstützung einer terroristischen Vereinigung nach § 129a Abs. 1 Nr. 1 Abs. 5 Strafgesetzbuch. Die Ermittlungen laufen. Ob und wann Anklage erhoben wird, ist noch offen.

Doch was wird den einzelnen Beschuldigten konkret zur Last gelegt? FAKT hat die wichtigsten Vorwürfe zusammengetragen.

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Neben dem Ermittlungsverfahren gegen die neun Beschuldigten ist noch ein weiteres Verfahren bei der Bundesanwaltschaft in Zusammenhang mit dem sogenannten NSU anhängig.

Am 8. November 2012 leitete die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und anderer Straftaten ein.

Dabei handelt es sich um mindestens 58 unterschiedliche Ermittlungskomplexe zum Beispiel zu den Finanzen des NSU-Trios, seinen Kontakten nach Baden-Württemberg, die Schweiz und vieles mehr.

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Antonia von der Behrens

Anwältin der Nebenklage

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Es gibt noch ein zehntes Ermittlungsverfahren. Was sich dahinter verbirgt, erläutert Antonia von der Behrens am Beispiel der Waffenfunde im Wohnmobil und der Frühlingsstraße.

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FAKT hat bei der Bundesanwaltschaft nachgefragt, wie der aktuelle Stand in den neun Ermittlungsverfahren aussieht und wie es mit ihnen nach dem bevorstehenden Urteil im Prozess in München weitergehen wird.

In einer Antwort heißt es: "Bitte haben Sie Verständnis, dass mit Blick auf die laufenden Ermittlungen zu weiteren Einzelheiten keine Auskünfte erteilt werden können."

Allerdings seien die Tatvorwürfe gegen die neun Beschuldigten noch nicht ausreichend, um Anklage zu erheben. Und so ist auch nach rund sechs Jahren offen, wie es in diesen Verfahren und bei den Strukturermittlungen weitergeht.

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Antonia von der Behrens

Anwältin der Nebenklage

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Die große Frage: Wie geht es weiter nach dem Urteil im Münchner NSU-Prozess. Dazu Antonia von der Behrens und Martina Renner.

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Martina Renner, Die Linke

NSU-Expertin sowie 2012 bis 2013 Obfrau der Linken im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages.

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Klar ist inzwischen auch, dass das Netzwerk von Unterstützern des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds weit über die im Münchner Prozess Angeklagten und die neun Beschuldigten hinausreicht.

Denn die Tatorte und die Auswahl der Opfer setzen lokales Insiderwissen voraus, dass Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe allein nicht gehabt haben können.

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Irene Mihalic, B90/Grüne

Obfrau im zweiten NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages

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Für die Anschläge und Morde des NSU-Trio muss es Unterstützungsleistungen aus den rechtsextremistischen Szenen vor Ort gegeben haben, davon ist Irene Mihalic überzeugt. 

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Der Mord in Rostock

Der Mord in Hamburg

Der Mord in Kassel

Der Mord in Dortmund

Die Morde in Nürnberg

Der Mord in Heilbronn

Die Morde in München

Nagelbomben-Anschlag

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4. April 2006

Mehmet Kubaşik, 39, wird in seinem Kiosk in Dortmund erschossen.

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27. Juni 2001

Süleyman Taşköprü
, 31, auch türkischstämmig, wird im Obst- und Gemüseladen seiner Familie in Hamburg-Bahrenfeld durch Schüsse aus zwei Pistolen getötet, aus einer Ceska und einer Bruni.

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25. April 2007

Die Polizistin Michèle Kiesewetter, 22, wird in einem Streifenwagen in Heilbronn erschossen. Ihr Kollege Martin A. (24) überlebt schwer verletzt.

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6. April 2006

Halit Yozgat, 21, wird mit zwei Kopfschüssen in seinem Internetcafé in Kassel getötet.

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Am 9. Juni 2004 explodiert in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe. Sie war auf dem Gepäckträger eines Fahrrads vor einem Friseursalon platziert worden.

Im Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages heißt es unter Berufung auf die Anklageschrift des GBA, dass bei dem Anschlag mindestens 22 Personen verletzt wurden. Drei von ihnen seien so schwer, dass sie intensivmedizinisch behandelt werden mussten.

Zuvor hatte es bereits 2001 einen Anschlag auf den Laden einer iranischen Familie gegeben. Die Bombe war in einer Christstollendose platziert. Eine 19-Jährige wurde schwer verletzt.

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29. August 2001

Habil Kılıç, 38, türkischstämmig, wird im Obst- und Gemüseladen seiner Familie in München erschossen. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an Kılıç.


15. Juni 2005

Theodoros Boulgaridis, 41, griechischstämmig, im Laden seines Schlüsseldienstes in München getötet.

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9. September 2000

Enver Şimşek, 38, türkischstämmig, wird mit Schüssen aus verschiedenen Waffen vor seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg niedergeschossen. Zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus.  

13. Juni 2001

Abdurrahim Özüdoğru, 49, ebenfalls türkischstämmig, wird durch zwei Kopfschüsse in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg getötet.

9. Juni 2005

Ismail Yaşar, 50, türkischstämmig, wird in seinem Döner-Imbiss in Nürnberg erschossen.

In Nürnberg hat sich auch 1999 der mutmaßlich erste Sprengstoffanschlag des NSU-Trios ereignet, wie aus dem Bericht des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschusses (18. Legislaturperiode) hervorgeht. Bei der Explosion eines als Taschenlampe getarnten Sprengsatzes wird ein Mann verletzt. 




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25. Februar 2004

Mehmet Turgut, 25, türkischstämmig, wird durch drei Kopfschüsse vor einem Döner-Imbiss in Rostock getötet.

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Geboren 1975

Direktkontakt zu Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos durch die gemeinsame Arbeit in der "Kameradschaft Jena" und dem "Thüringer Heimatschutz". Wie lange der Kontakt nach dem Abtauchen des NSU-Trios im Januar 1998 bestand, ist unklar.

Sein Mobiltelefon war am 04.11.2011 in der Funkzelle in Eisenach eingeloggt. Dies war der Tag, an dem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Wohnmobil in Eisenach das Leben nahmen und Beate Zschäpe die gemeinsame Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau in die Luft jagte.

Im Abschlussbericht des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschuss (18.Wahlperiode) heißt es dazu:

"André K. habe Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in der Abtauchphase logistisch und finanziell unterstützt. Eine Registrierung seines Handys in einer im Bereich Stregda/Eisenach gelegenen Funkzelle am 4. November 2011 lege den Verdachte nahe, dass er bis zu diesem Tag in engem Kontakt mit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe stand, Böhnhardt und Mundlos nach Eisenach begleitet und dort unterstützt habe und Zschäpe überdies von den Geschehnissen in Eisenach berichtet habe."

Andre K. macht für sich geltend, dass er am 4. November 2011 gemeinsam mit seinem Vater auf dem Weg von einem Gebrauchtwagenkauf kam, als sich sein Funktelefon in die Funkzelle in Eisenach einloggte. Die Umstände des Autokaufs etc. konnte er nachweisen.

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Bereits kurz nach dem Auffliegen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds berichtet FAKT über den "Thüringer Heimatschutz", das Unterstützernetzwerk, und die problematische Rolle der Verfassungsschutzämter, ganz besonders in Thüringen.

FAKT-Beitrag vom 15.11.2011 , Länge 05:57

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Geboren 1970.
Waffenbeschaffung für das NSU-Trio.

Hermann S. war Mitarbeiter und Geschäftsführer von Pierre J., ebenfalls Beschuldigter in den neun Ermittlungsverfahren.
Vermutlich war Hermann S. in die Waffenbeschaffung des NSU-Trios der Jahre 2002 und 2003 eingebunden, von welcher der Angeklagte Holger G. vor dem Oberlandesgericht München im NSU-Prozess berichtet hatte.

Dem NSU-Bundestagsuntersuchungsausschuss (18. Legislaturperiode) zufolge werden Hermann S. Unterstützungsleistungen vorgeworfen. "Durch den Fund eines Notizzettels mit mehreren Telefonnummern und den Personalien des Hermann S. wird von einem stetigen Kontakt zu Mundlos ausgegangen, welchen er auch laut einer Zeugenaussage in seinem Geschäft beschäftigt haben soll."

Wie aus einem Gutachten für den Bundestagsuntersuchungsausschuss (18.Wahlperiode)* hervorgeht, bestreitet Hermann S. in seiner Vernehmung eine Bekanntschaft mit dem Trio. Er kenne die Drei lediglich aus der Berichterstattung.

Darüber hinaus stellte er auch in Frage, ob es sich bei "Andreas", der laut Pierre J. regelmäßig im Laden verkehrte, tatsächlich um Uwe Mundlos gehandelt habe.

Dem Gutachten zufolge verkaufte Hermann S. "Andreas" zweimal eine Schreckschuss-Kurzwaffe. Den Verkauf einer oder mehrerer Pumpguns an "Andreas" streitet er ab.

* Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen

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Geboren 1975.
Jan W. soll in direktem, persönlichen Kontakt zum NSU- Trio soll gestanden haben, wenngleich er selbst das bestreitet.

Jan W. agierte ab 1992 als einer der Organisatoren der rechtsextremen "Skinheads Chemnitz", auch "88er" genannt. Später war er Sektionschef von "Blood & Honour" in Sachsen, einer ultra-rassistischen, international agierenden Bewegung. "Blood & Honour" oder auch "Blut und Ehre", ist inzwischen in Deutschland verboten.

1997 gründete Jan W. das Rechtsrocklabel "Movement Records" und vermarktete unter anderem auch die Neonazi Band "Landser" mit ihrem Album "Ran an den Feind". 2003 wurden deren Bandmitglieder unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Volksverhetzung sowie der Aufforderung zu öffentlichen Straftaten zu Geld- und Haftstrafen verurteilt.      

Über das "Blood & Honour"-Netzwerk und seine Musikgeschäfte verfügte Jan W. deutschlandweit, aber auch international über gute Kontakte in neonazistische Kreise.

Mit Thomas S., ebenfalls Beschuldigter in den neun Ermittlungsverfahren, war er eng vertraut, arbeitete mit ihm sowohl bei "Blood & Honour" als auch im Musik-Business zusammen.

Laut Abschlussbericht des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschusses (18.Wahlperiode) legt das Ermittlungsverfahren Jan W. folgendes zur Last:

"Es bestehe der Verdacht, dass er die terroristische Vereinigung 'NSU' ab dem Jahr 2002 bis zur Auflösung logistisch unterstützt habe, damit diese Morde, Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle begehen könne. Insbesondere lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass Jan W. den Mitgliedern des 'Trios' eine Schusswaffe besorgt habe, damit diese Raubüberfälle begehen können."

Dass er dem NSU –Trio eine Schusswaffe besorgt haben soll, bestreitet Jan W ebenfalls.

Bereits 1995 will das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen Jan W. angesprochen haben, ob er bereit wäre für das Amt als V-Mann zu arbeiten. Das habe er aber abgelehnt.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Mehr zu Jan W., seinen möglichen Verbindungen zum NSU-Trio und dem "Blood & Honour"-Netzwerk.

Aktueller FAKT-Beitrag vom 05.06.2018, Länge 08:05

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V-Mann "Nias", "Blood & Hounor", Jan W. und ein mögliches Treffen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe vor der Synagoge in Berlin am 7. Mai 2000.

FAKT- Beitrag vom 13.06.2017, Länge 07:08

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Geboren 1975.
Direktkontakt zum Trio ab 1998, wie lange er andauerte, ist unklar.
Mandy S. war in folgenden rechtsextremen Organisationen aktiv: "Skinheads Chemnitz", genannt "88er", "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG), "Fränkische Aktionsfront", Gründerin einer "Sächsischen Aktionsfront".

Unterstützungsvorwürfe: Bereitstellung einer Unterkunft, Überlassung der Identität sowie Hilfe bei der Verschaffung von Identitätspapieren.

Der NSU-Bundestagsuntersuchungsausschuss (18.Wahlperiode) hält in seinem Abschlussbericht zu Mandy S. fest: "Dem liegt der Verdacht zugrunde, dass diese die terroristische Vereinigung 'NSU' durch das Besorgen einer Unterkunft in der Abtauchphase und Bereitstellung von Ausweispapieren unterstützt habe."

Als Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt Ende Januar1998 untertauchten, war Mandy S. mit Max B. zusammen, in dessen Chemnitzer Wohnung sie die Drei unterbrachte. Max B. ist ebenfalls Beschuldigter im Ermittlungsverfahren wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und war zu diesem Zeitpunkt im Ausland.

Mandy S. räumt ihre NSU-Unterstützung insofern ein, als sie Beate Zschäpe, die unter starken Schmerzen gelitten haben soll, ihre Krankenversicherungskarte zur Verfügung stellte, um ihr so eine ärztliche Behandlung zu ermöglichen. Auch das Abholen eines Ausweises für eine Alias-Identität gesteht sie ein.

Inzwischen will Mandy S. nichts mehr mit der rechten Szene zu tun haben. Wie weit das glaubhaft ist, bleibt offen.

2001 will das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen Mandy S. befragt haben, ob sie als Quelle (V-Frau) mit der Behörde zusammenarbeiten wolle. Unter dem Verweis, sie habe sich aus der rechten Szene zurückgezogen, habe Mandy S. dies abgelehnt.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Geboren 1975.
Direktkontakt zum NSU-Trio eingeräumt von 2001 bis 2011.
Matthias D. war Hauptmieter zweier Wohnungen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.

Der Bundestagsuntersuchungsausschuss (18. Wahlperiode) hält in seinem Abschlussbericht zum NSU-Trio fest: "Aufgrund aufgefundener Mietverträge wird Matthias D. verdächtigt, dem 'Trio' ab dem 1. Mai 2001 mindestens zwei Wohnungen in der Polenzstraße 2 und in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau zur Ermöglichung des Lebens im Untergrund verschafft zu haben. Dies sei auch mit dem Vorsatz, die terroristischen Aktivitäten, zumindest aber die Begehung von Sprengstoffanschlägen, der Vereinigung 'NSU' zu unterstützen geschehen."

Nach Angaben eines Gutachtens* für den Bundestagsuntersuchungsausschuss (18.Wahlperiode) will Matthias D. Ermittlern gegenüber ausgesagt haben, dass er die Drei nur unter den Aliasnamen Max, Gerri und Liese gekannt habe. Von terroristischen Aktionen wusste er angeblich nichts. Insgesamt bestand ein direkter Kontakt zum Trio bis 2011.

Der sächsische Verfassungsschutz schätzt Matthias D. als "überzeugten Rechtsextremisten" ein.*

* Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen

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Das Bundeskriminalamt identifiziert Matthias D. auf Bildern einer rekonstruierten Festplatte mit privaten Überwachungsvideos vom Wohnhaus der NSU-Mitglieder in der Zwickauer Frühlingsstraße.

Mehr dazu in einem FAKT-Bericht vom 26.08.2014

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Geboren 1978.
Direktkontakt zum NSU-Trio.

Gilt als Passgeber für Uwe Mundlos.

Des Weiteren steht er laut NSU-Bundestagsuntersuchungsausschuss (18. Legislaturperiode) im Verdacht, "[…] den Mitgliedern der terroristischen Vereinigung NSU […] ihren Aufenthalt in der Illegalität und dadurch ihre verdeckten Anschlagsplanungen sowie die Anschläge dadurch ermöglicht zu haben, dass er diesen unteren anderem Fluchthilfe leistete. [..]"

Außerdem wurden dem Ausschuss zufolge am 4. November 2011 im Wohnmobil und in der Wohnung Frühlingsstraße 26 in Zwickau unter anderem ein auf Max B. im Jahr 1998 ausgestellter Reisepass mit dem Foto von Uwe Mundlos gefunden. Ebenso fanden die Ermittler dort mehrere Kopien seiner Geburtsurkunde mit handschriftlichen Notizen zu seiner aktuellen Lebenssituation.

Max B. stand im Kontakt zu Mandy S., ebenfalls Beschuldigte im Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU., und zu André E., Angeklagter im NSU-Prozess in München.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Geboren 1977.
Tatvorwurf: Waffenbeschaffung für das NSU-Trio.
Direktkontakt zu Uwe Mundlos wahrscheinlich.

Der Verdacht der Waffenbeschaffung beruht unter anderem auf Angaben des vor dem Oberlandesgericht München im NSU-Prozess Angeklagten Holger G..

Laut Bundestagsuntersuchungsausschuss zum NSU (18. Legislaturperiode) wird Pierre J. vorgeworfen, "mit Wissen und Wollen die terroristische Vereinigung 'NSU' durch das Besorgen von Schusswaffen, darunter einer Vorderlaufrepetierflinte, in einem nicht näher bestimmten Zeitraum in den Jahren 2002/2003 unterstützt zu haben."

Pierre J. war Ladeninhaber in Sachsen. Er soll Mundlos als "Andreas" kennen, der circa einmal die Woche in seinem Laden war. Diesen habe er nicht näher gekannt, behauptet Pierre J..  

Allerdings wurde im Brandschutt der letzten NSU-Wohnung in der Frühlingsstraße laut Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss ein Zettel mit Pierre J.s privater Telefonnummer sowie seinem Geburtsdatum gefunden.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Geboren 1981.
Direktkontakt zum NSU-Trio. Die Ehefrau des im NSU-Prozess angeklagten André E. gilt als enge Freundin von Beate Zschäpe.

Susann E. soll Beate Zschäpe eine Bahncard überlassen haben. Am 4. November 2011, der Tag, an dem Beate Zschäpe die Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau in Brand setzte, soll sie ihr frische Kleider gegeben haben.

"Als enge Bekannte des 'Trios', welche in der Nachbarschaft als Schwester der Beate Zschäpe bekannt war, wird sie insbesondere verdächtigt, das Leben im Untergrund durch die Zurverfügungstellung ihrer Personalien für Beate Zschäpe unterstützt zu haben. Insbesondere bestünden begründete Anhaltspunkte dafür, dass Beate Zschäpe bei einer polizeilichen Zeugenvernehmung mit Wissen der Susann E. deren Personalien verwendete, um die Gruppierung vor einer Enttarnung zu bewahren", heißt es im Bericht des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschusses (18. Wahlperiode).

2003 und 2004 nahm Susann E. laut Landesamt für Verfassungsschutz Niedersachsen gemeinsam mit ihrem Mann André und dessen Bruder Maik an zwei mehrtägigen Veranstaltungen der "Germanischen Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V." in Ilfeld (Thüringen) teil. Leiter des rechtsextremen und völkischen Vereins war der Hamburger Neonazi-Verteidiger und Holocaust-Leugner Jürgen Rieger.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Geboren 1967.
Ein direkter Kontakt zum NSU-Trio bestand von den frühen 1990er-Jahren bis mindestens 1999, nach Indizien auch weit darüber hinaus.

Thomas S. war in folgenden rechtsextremen Organisationen aktiv: "Skinheads Chemnitz", auch "88er" genannt, "Blood & Honour", "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG). Insgesamt galt er deutschlandweit in der rechten Szene als gut vernetzt. Außerdem war Thomas S. Vertrauensperson (V-Mann) für das Landeskriminalamt Berlin.


Der NSU-Bundestagsausschuss (18. Wahlperiode) hält in seinem Abschlussbericht fest: "Beschuldigt wird er dafür, die Taten der Terrorgruppe "NSU" durch die Beschaffung von Sprengsätzen für die vier Rohrbomben, welche im Januar 1998 von den Sicherheitsbehörden in Jena sichergestellt wurden, unterstützt zu haben. Außerdem habe er die daraufhin Untergetauchten in der Anfangsphase durch die Vermittlung von Wohnungen sowie finanziell und logistisch unterstützt. Der Fund eines polizeilichen Vernehmungsprotokolls eines Beschuldigten aus dem 'Landser'-Verfahren im Brandschutt der Frühlingsstraße 26 lege darüber hinaus den Verdacht nahe, dass Thomas S. noch bis zum 4. November 2011 Kontakt zu dem 'Trio' pflegte und dieses auch weiterhin unterstützte."

Über den Cousin von Beate Zschäpe, Stefan A., will Thomas S. mit ihr und Uwe Mundlos in Kontakt gekommen sein. Während einer Inhaftierung von Thomas S. hielten die beiden Kontakt zu ihm. Nach seiner Entlassung 1996 habe er vorübergehend ein "Techtelmechtel" mit Beate Zschäpe gehabt. Der Kontakt zu Uwe Böhnhardt dürfte auch 1996 zu Stande gekommen sein.

Zusammen mit Jan W., ebenfalls Beschuldigter im Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU, bildete Thomas S. das Führungsduo der Chemnitzer "Blood & Honour"-Szene.

In einem Notizbuch von Thomas S. fanden sich Namen und Geburtsdaten des NSU-Trios, ebenso wie Kontaktdaten zu mehreren Personen aus den neun Ermittlungsverfahren: Max B., Mandy S., Jan W. sowie Andre E., der im NSU-Prozess in München angeklagt ist.

(Quelle: Gutachten für den NSU-Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU Netzwerk und dessen überregionale und internationale Verbindungen)

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Übersicht

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Kapitel 1 Das mutmaßliche NSU-Unterstützernetzwerk

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Der NSU-Prozess

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Bundesanwaltschaft konzentriert sich auf das "Kerntrio"

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Kapitel 2 Beschuldigte der weiteren neun Ermittlungsverfahren

Das NSU-Unterstützernetzwerk

Karlsruhe neu bild

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Kapitel 3 Weitere 58 Ermittlungskomplexe zum NSU

Weitere 58 Ermittlungskomplexe

Strukturermittlungen

Das Strukturermittlungsverfahren

Renner
Kapitel 5 Weiterführende Informationen

Die Anschlagsorte des NSU-Trios

Nsu 06

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