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MITTELDEUTSCHLANDS KLÜGSTE KÖPFE

Über drei Jahrzehnte Deutsche Einheit.

Aus zwei mach eins. Das klingt nach Verschmelzen, nach Zusammensein, nach Gleichheit, eben nach Einheit.

Aber ist das wirklich so?



Ja – im Bereich der Wissenschaft ist das so.

Moderne Institute mit hervorragenden Wissenschaftlern sind im Osten Deutschlands entstanden.

Das wollen wir in der Reihe zeigen

Mitteldeutschlands klügste Köpfe.

Wir stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die Ihresgleichen suchen.





Dirk Labudde: Der Herr der digitalen Spur

digitaler Forensiker



Das ist eine reale Tatort-Rekonstruktion

Was ist da passiert, wer hat diese Frau ermordet?

Wenn's ganz kompliziert wird und die Polizei nicht weiter weiß, dann ruft die Polizei nicht in London an oder in New York, München oder Berlin, sondern ganz oft und immer häufiger in Mittweida - bei Dirk Labudde.

So wie nach dem Einbruch ins Bode-Museum in Berlin, bei dem die Big Maple Leaf Goldmünze gestohlen wurde oder nach einem Mord im Leipziger Rockermilieu oder nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden.





Übernehmen Sie Prof. Dr. Dirk Labudde!



Als das erste Mal die sächsische Staatsanwaltschaft bei Ihm anrief, wusste er gar nicht, was man von ihm wollte

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"... eine vollkommen andere Welt ... " Labudde meint damit, dass vor Gericht und in der Wissenschaft andere Maßstäbe gelten. Das hatte er nicht im Entferntesten auf dem Schirm. Da will ein Verteidiger schon mal ganz genau wissen, ob man an Hand von Körpermaßen und Körperproportionen, die von einer Überwachungskamera stammen, einen vermummten Menschen eindeutig identifizieren kann. Da hatte dann Labudde vor ein paar Jahren ein Problem ... und dieses Problem ließ und lässt ihm keine Ruhe. Er will zeigen, dass man anhand von Körpermaßen einen Menschen identifizieren kann. Tausende Probanden mussten auf seinen Bodyscanner.

Jetzt weiß Dirk Labudde besser Bescheid. Jetzt weiß er, ob und wie sicher man Menschen anhand von Gelenkpositionen, Skeletteigenschaften und Knochenlängen identifizieren kann.

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Mittlerweile ist Labudde eine große Nummer in der Szene. Er ist bekannt. Neben der Ausbildung von digitalen Forensikern, weit über hundert Studenten betreut er an seinem Lehrstuhl, sind gerichtliche Gutachten zum Alltag geworden. Und Labudde weiß offenbar, was er kann. Er hat ambitionierte Ziele. Er möchte Tatorte so "lesen", dass er mit Hilfe digitaler Technik, wichtige von unwichtigen Spuren zuverlässig unterscheiden kann.

Ich möchte ein neues Zeitalter der Spur einläuten
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Labudde will also nicht nur Forensik-Geschichte schreiben, sondern auch eine neue Generation von Forensikern ausbilden. Digitale Forensik Studiengänge gibt es auch anderswo. Unter anderem in New York und in den Niederlanden. Aber nirgendwo sonst ist das Studium so wie bei ihm in Mittweida sagt er und zitiert am Ende dabei sogar seine Oma.

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Ein Gespräch mit Labudde ist kurzweilig. Er ist cool, er ist ein Typ: Locker, originell und man glaubt ihm, dass er über sich selbst gut lachen kann. Er zeigt seine Kellerräume, in denen Knochen von echten Kriminalfällen in Pappkartons lagern und er zeigt Lehrmaterial: Puppen, ein Skelett. Und da liegt auch noch ein Arm rum. Na klar stellt sich Labudde für ein Foto in den Gang, mit dem Arm, mit dem Skelett und der Puppe.



Wie kommt denn so einer dazu, digitaler Forensiker zu werden? Oder ist die Frage falsch gestellt? Normale Sachen passen vielleicht gar nicht zu Leuten wie Labudde. Da liegt digitale Forensik gerade zu auf der Hand. Nö, sagt Labudde, digitale Forensik hatte er echt nicht auf dem Schirm.

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Cool und locker kann man ja sein. Aber das hört spätestens auf, wenn durch die Gutachten von Dirk Labudde, Mitglieder von Rockerbanden oder Mitglieder von mächtigen Familienclans in den Knast wandern. Ist da auch manchmal Angst im Spiel? Fühlt er sich in Gefahr?

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Sein Professorenzimmer ist wahrscheinlich das einzige an der Hochschule Mittweida, in dem eine Couch steht. Als ein Mitarbeiter fragte, wie er sein Zimmer einrichten wolle und er sagte, er brauche eine Couch, fiel der Kollege fast hinten über. Keine Ahnung, ob Labudde auch auf seiner Couch relaxed. Wenn er mal Ruhe braucht und nicht gestört werden will, dann flüchtet er auf den Galgenberg - eine durchziehen. Der Galgenberg ist die ehemalige Hinrichtungsstätte von Mittweida. 2 Minuten zu Fuß von seinem Büro entfernt.

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Die letzte Frage an Labudde: Forensik Geschichte schreiben, sich einen neuen Ausbildungszweig ausdenken und Studenten auf eine ganz besondere Weise ausbilden, warum macht man das? Was treibt einen an? Der Wunsch nach Berühmtheit, ist es Geld?

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