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Schafft Sachsen das?

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Sprache gilt als der Schlüssel zur Integration. Aber die Sprache allein reicht nicht aus, um in einem fremden Land zurecht zu kommen. Auch kulturelle Werte und die politische Organisation einer Gesellschaft müssen erlernt werden. Wer außerdem in Deutschland eine Arbeit finden will, braucht einen gewissen Bildungsstandard und bestimmte Abschlüsse. Um wirklich hier anzukommen, müssen geflüchtete Menschen in Deutschland also erst eine Menge lernen. Das ist nicht nur für die Flüchtlinge eine Herausforderung, sondern auch für die Politik, die Gesellschaft und unser Bildungssystem.
Das Sächsische Kultusministerium rechnet dieses Jahr mit bis zu 15.000 neuen Flüchtlingen im schulfähigen Alter. Zurzeit besuchen rund 28.000 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Sachsens Schulen.

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Sobald eine Flüchtlingsfamilie die Erstaufnahme-Einrichtung verlassen hat und einer bestimmten Kommune zugeteilt wurde, unterliegen die Kinder der Familie der offiziellen Schulpflicht. Sie lernen, wie alle Schüler mit Migrationshintergrund in den Vorbereitungsklassen zunächst Deutsch. Das Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache (DAZ) soll nicht nur die Alltagssprache vermitteln, sondern auch die Bildungssprache, denn diese ist wichtig für einen späteren Schulerfolg. Der Ablauf der Integration ist genau festgelegt, wird aber für jeden Schüler individuell gestaltet. Während der ersten Phase lernen die Schüler ausschließlich die deutsche Sprache. Lassen die Deutschkenntnisse es zu, folgt die zweite Etappe. Die Schüler besuchen neben der Vorbereitungsklasse auch den Unterricht in weniger sprachintensiven Fächern wie Sport, Musik oder Kunst. Später kommen weitere Fächer hinzu. Die dritte Stufe ist die Integration in eine Regelklasse. In Sachsen besuchen zurzeit rund 8.200 Kinder und Jugendliche eine Vorbereitungsklasse, 19.800 sind inzwischen in den Regelklassen integriert.

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Die DAZ-Lehrer sind nicht nur Fachlehrer, sondern Betreuungslehrer und damit wichtige Bezugspersonen für die Kinder.
Hüseyin Kücük kam zum Studium im Jahr 2000 nach Deutschland. In Dresden unterrichtete er früher türkischstämmige Schüler in ihrer Muttersprache. Der sogenannte herkunftssprachliche Unterricht wird in Sachsen in 15 Sprachen angeboten und soll die Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund fördern. Derzeit unterrichtet Hüseyin Kücük als DAZ-Lehrer eine Alphabetisierungsklasse in Dresden. Dort lernen Schüler, die noch nie oder nur wenige Jahre zur Schule gegangen sind.

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Deutsch zu lernen, ist nicht der einzige Weg zur Integration der Schüler mit Migrationshintergrund. Das weiß auch Friedrich Roderfeld. Er ist Vorsitzender des Landesschülerrates in Sachsen und plädiert für eine stärkere Vermittlung von Werten an den Schulen.

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Professor Anja Besand von der TU Dresden betont, dass neben einer sprachlichen auch eine politische Bildung an Schulen eine wichtige Rolle spielen sollte. Sie hat die Professur für Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden inne und gehört zum Team des Zentrums für Integrationsstudien (ZfI) an der TU. Hier wird zu den Themen Migration, Rassismus und Ausgrenzung geforscht. Der Aufbau des Zentrums wird durch das Wissenschaftsministerium gefördert.

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Auch die Elternräte beschäftigen sich mit Migration und Integration an den sächsischen Schulen. Ein Thema sind strukturelle Probleme, die die Integration von Flüchtlingen im Schulalltag erschweren. Annett Grundmann ist die Vorsitzende des Dresdner Kreiselternrats. Sie macht klar: Viele der heutigen Probleme bestehen schon seit längerer Zeit.

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Neben den strukturellen Problemen ist auch das ungleiche Bildungsniveau, mit dem viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, eine Herausforderung. Zur Qualität der Schulbildung in den Herkunftsländern der Flüchtlinge gibt es nur unzureichende Daten. Wenige vergleichende Studien legen nahe, dass der Bildungsstand vieler Flüchtlinge nicht den hiesigen Anforderungen entspricht. Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudien PISA (Programme for International Student Assessment) und Timss (Trends in International Mathematics and Science Study) aus dem Jahr 2011 legen nahe, dass beispielsweise in Syrien 65% der 15jährigen Schüler nicht die Grundkompetenzen besitzen, die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) definiert worden sind. Zum Vergleich: In Deutschland erfüllen 16% diese Anforderungen nicht.

Auch Professor Marcel Thum sieht darin Schwierigkeiten. Er ist Leiter des ifo-Instituts in Dresden. Das Institut befasst sich unter anderem mit Wirtschaftsforschung und Prognosen.

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Integration und Bildung als Prozesse starten aber nicht erst in der Schule. Bereits in der Kita lernen Kinder mit Migrationshintergrund beim Spielen mit deutschen Kindern die Sprache und Kultur ganz nebenbei kennen. Flüchtlingskinder an Kitas stellen die Einrichtungen aber auch vor neue Herausforderungen. Mit dem Programm WillkommensKITAs soll diesen Herausforderungen begegnet werden. Das Programm wird von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung getragen. Ziel ist es, durch Coaching, Austausch und Fortbildungen den Mitarbeitern Kompetenzen für den Umgang mit Flüchtlingskindern zu vermitteln. Das Projekt soll bis 2017 laufen. In Sachsen gehören zehn Kindertagesstätten zum Programm.

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Axel Möller von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ist Leiter des bundesweit einmaligen Modellprojekts. Er sieht das Programm als eine Chance, den Fragen und neuen Anforderungen an die Erzieher zu begegnen und würde sich mehr WillkommensKITAs in Deutschland wünschen.

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