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Schafft Sachsen das?

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Die Aufnahme von Menschen ist in erster Linie eine humanitäre und keine finanzielle Entscheidung. Trotzdem muss sich der Staat und die Gesellschaft bei der Integration und Versorgung von Asylsuchenden auch mit wirtschaftlichen Herausforderungen beschäftigen. Angefangen bei der Frage nach den Kosten für die Unterbringung bis zur Zahlung von Integrationskursen – der Staat muss für die Aufnahme von Asylsuchenden viel Geld in die Hand nehmen. Auf der anderen Seite können Flüchtlinge die Wirtschaft auch unterstützen: Allein im Freistaat Sachsen verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit 31.000 offene Stellen. Außerdem sind die meisten Flüchtlinge sehr motiviert, so schnell wie möglich zu arbeiten. Schließlich bedeutet Arbeit eigenes Geld und mehr Freiheit, aber auch einen weiteren Schritt der Integration in unsere Gesellschaft. Betrachtet man aber nur die Zahlen: Welches Kosten-Nutzen-Verhältnis ergibt sich bei der Aufnahme von Asylbewerbern?

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Erste Zahlen lassen nichts Gutes erahnen. Aktuell sind in Sachsen von 12.500 bei der Bundesagentur registrierten Flüchtlingen nur gut die Hälfte in Arbeit oder in Maßnahmen. 5.300 Flüchtlinge jedoch sind ohne Job.

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Prof. Dr. Joachim Ragnitz ist stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden. Das ifo-Institut beschäftigt sich mit Wirtschaftsforschung und sieht die Flüchtlings-Zuwanderung eher skeptisch. Allein die eine Million Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen, verursachen Kosten von rund 20 Milliarden Euro pro Jahr. Unter anderem für Unterbringung, Sozialleistungen und Bildung. Je nachdem wie schnell eine Integration in den Arbeitsmarkt erfolgt, rechnet das Institut mit Kosten von 150 bis 250 Milliarden Euro. Da sind die Gewinne durch Steuern und Sozialabgaben schon eingerechnet.

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Erfahrungen mit Flüchtlingen aus der Vergangenheit besagen, dass nach einem Jahr 10% in den Arbeitsmarkt integriert waren. Nach fünf Jahren hatten 50% der Flüchtlinge einen Job und erst nach 15 Jahren waren 70% in Lohn und Brot.

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Prof. Dr. Oliver Holtemöller sieht in den Flüchtlingen dennoch eine Chance für den Arbeitsmarkt. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Leiter der Abteilung Makroökonomik am Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Er meint, dass Flüchtlinge den Fachkräftemangel und das Demografieproblem in Deutschland lindern könnten.

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Auch wenn es viele freie Stellen in Deutschland gibt, müssen diese nicht zwangsläufig kompatibel mit der Qualifikation der geflüchteten Menschen sein. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg ist die berufliche Qualifikation der aktuellen Flüchtlinge deutlich geringer als der Durchschnitt der Deutschen, aber auch als der anderer Ausländer und Migrantengruppen. 80% haben keinen Berufsabschluss und gelten bestenfalls als Helfer. 12% können einen Abschluss nachweisen. Ärzte und Ingenieure bilden den kleinsten Teil, nur 8% sind Akademiker.

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Die mangelnde berufliche Qualifikation bei Flüchtlingen sieht auch Detlef Kröber als Problem. Er ist Geschäftsführer der Visitronic Kröber GmbH. Der Dresdner Unternehmer verkauft und installiert Video-Überwachungstechnik. Dafür sucht er seit längerem einen Mitarbeiter im IT-Bereich. Er hat mittlerweile Erfahrung mit mehreren Flüchtlingen, die als Praktikanten bei ihm arbeiteten. Den gesuchten Fachmann hat er noch nicht gefunden. Es lag an der fehlenden Qualifikation, aber auch an der fehlenden Fahrerlaubnis eines Flüchtlings. Damit war er für den Einsatz im Außendienst ungeeignet.

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Auch Hamidreza Ameli will den hier ankommenden Flüchtlingen eine Hilfe und Perspektiven bieten. Er ist Geschäftsführer von Fahrrad XXL Dresden. Hamidreza kam selbst im Alter von 15 Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland und kann deshalb die Situation der heute hier lebenden Flüchtlinge besonders gut verstehen. In seiner Firma hat er zurzeit zwei Flüchtlinge angestellt.

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Einmal Aslami macht beim Fahrradhändler Fahrrad XXL Dresden eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker. Er ist aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Der 30jährige ist gelernter Flugzeugmechaniker. In Kabul arbeitete er bei einer afghanischen Fluglinie. Nach seiner Schilderung hätten ihn die Taliban zwingen wollen, einen Selbstmordattentäter an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln. Sie drohten mit der Entführung seiner Frau. 2013 kamen beide nach Deutschland. Er ist kein anerkannter Asyslbewerber, sondern wird nur geduldet. Die Duldung wird jeweils nach 6 Monaten verlängert.

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