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Julia Zeulner Naechste Generation

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Wird Restauratorin: Julia Zeulner

Im Jahr 1568 wurde für die Erfurter St. Lorenz-Kirche ein Epitaph gebaut. Knapp 500 Jahre später soll die Studentin Julia Zeulner gemeinsam mit zwei weiteren Studenten und ihrem Professor das Kunstwerk vor dem Verfall bewahren.

"Restaurierung und Konservierung" heißt der Studiengang der Fachhochschule Erfurt, der die Studenten vor solche Herausforderungen stellt.
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Das gute Stück - Julia Zeulners Arbeitsplatz: Ein Epitaph - also ein Grabdenkmal - gebaut für Balthasar von Weissensee. Es zeigt den Leidensweg Jesu Christi, samt Kreuzigung und Grablegung. Jedoch ein wichtiger Teil der Geschichte fehlt: Die Auferstehung. Sie muss dem Epitaph irgendwann abhanden gekommen sein und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Seit gut sechs Wochen arbeitet Julia Zeulner an diesem Denkmal, hockt auch mal in vier Metern Höhe auf einem Gerüst davor. Schwindelfrei muss man bei dieser Arbeit schon sein, sagt sie. An Außenfassaden schaukele schon mal in 20 Metern Höhe.
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Das Epitaph sah mal ganz anders aus. Das liegt vor allem an der Fassung, also an der Bemalung, von der kaum noch etwas übrig ist.

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"Dass eine Studentin im zweiten Semester so eine Aufgabe bekommt, ist etwas Besonderes. Ein Epitaph zu restaurieren ist eine große Verantwortung. Da lassen wir nicht jeden ran." (Thomas Staemmler, Professor an der Fachhochschule Erfurt)

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Die Fachrichtung "Konservierung und Restaurierung" an der FH Erfurt

Keine zehn Gehminuten von der St. Lorenz-Kirche entfernt: Die Fachhochschule Erfurt. Der Geruch von Lösungsmitteln schwebt durch die Gänge. Hier, im Fachbereich "Konservierung und Restaurierung", lernen Bachelor- und Masterstudenten, wie sie Glaskunstwerken, archäologischen Fundstücken oder auch alten Maschinen eine Zukunft geben.
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Übung für angehende Glasrestauratoren: Diese zerschlagene Glühbirne musste repariert - sprich: geklebt werden. Im Inneren sitzt übrigens eine Katzenfigur - als Beweis für die Zerstörung.
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Professor Thomas Staemmler hat mal Steinmetz gelernt; an der Fachhochschule unterrichtet er die Restaurierung von Plastiken und Architektur aus Stein. Aber auch die Ethik der Restaurierung hat er sich zum Thema gemacht. Ethik der Restaurierung? Jawohl, einem Restaurator sind nämlich klare Grenzen gesetzt.

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Geschichte soll sichtbar bleiben. Ein weiteres Beispiel dafür: In diesem historischen Fenster fehlen einige der ursprünglichen Glasscheiben. Studenten haben sie mit "verpixelten" Scheiben ersetzt (im Bild links). Sie sorgen für einen harmonischen Gesamteindruck, ohne sich dabei anzumaßen, original zu sein.
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Mehr als ein Handwerk

Das Studium "Restaurierung und Konservierung" ist eine Mischung auf Geistes- und Naturwissenschaften. Auf dem Stundenplan stehen Kunstgeschichte, Archäologie und Museeologie - logisch -, aber auch Physik, Biologie und sogar Freihandzeichnen.
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Mit Formeln, Gläschen und Mixturen hatte Julia Zeulner eigentlich in der zehnten Klasse abgeschlossen. "Jetzt im Studium - wieder volle Breitseite", lacht sie.  Als Restaurator müsse man muss schon wissen, wie Lösemittel reagieren. "Man kann nicht einfach irgendetwas auf das Objekt schütten."
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Bilder aus Julia Zeulners Mappe. Die hat sie angefertigt, um sich für das Studium zu bewerben. Jetzt steht das Zeichnen sogar auf ihrem Stundenplan. Aber wofür muss ein Restaurator zeichnen können? Einerseits schult es den Blick und manuelle Fertigkeiten, erklärt Professor Staemmler. Darüber hinaus lerne man, einen Gegenstand in seiner Ganzheit zu erfassen und dann Schritt für Schritt die Details herauszuarbeiten - eine Voraussetzung fürs wissenschaftliche Arbeiten.
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Vergangenes lebendig machen

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...oder: Warum uns so viel an altem "Krempel" liegt, erklärt von Restaurierungsprofessor Thomas Staemmler.

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Restaurieren - das ist eine introvertierte Arbeit, sagt Julia Zeulner, aber gerade deswegen auch besonders schön.

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"Der Restaurator ist Wohlstandsjob, ein Luxus, den sich eine Gesellschaft leisten muss." (Studentin Julia Zeulner)

"Oft fehlt das Geld. Es gibt viele Objekte - Schlösser, Burgern, Kirchen -, die auf eine Restaurierung warten. Allerdings braucht es dafür vernünftige Nutzungskonzepte. Schließlich können wir nicht alle historischen Bauwerke unter die museale Käseglocke stellen." (Professor Thomas Staemmler)
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Nach dem Abitur wusste Julia Zeulner erst mal nicht, was aus ihr werden sollte. Ein Praktikum beim Steinrestaurator brachte sie auf den Weg.
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Julia Zeulner hat noch mindestens vier Semester vor sich bis zum Bachelorabschluss. Danach macht sie wahrscheinlich noch den Master, ebenfalls in "Restaurierung und Konservierung". Das Weissensee-Epitaph - eine ihrer ersten großen Arbeiten - ist in der Erfurter St. Lorenz-Kirche für jedermann zu sehen.
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