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Autorinnen und Autoren:
Mareike Hoeck
Till Ganswindt
Rebecca Nordin Mencke
Max Fallert
Anke Werner
Astrid Wulff
Björn Menzel
Anja Neubert

Redaktion:
Piet Felber-Howitz und Marcus Engert

Produktion:
Anja Neubert.

Medien
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Land­wirtschaft der Zukunft

Pflanzen aus dem Labor, Verbraucher-Dialog auf Insta und Frauen, die Schluss mit einer Männer-Domäne machen. Neue Formen des Wirtschaftens und natürlich: KI auf dem Acker. Wie sich die Landwirtschaft ändert.

Salat aus dem Schrank

Frischer Salat, Gurke und Tomate mitten aus der Stadt – das bedeutet zugleich: Minimale Transportwege, ganzjährige Verfügbarkeit, dazu wassersparender und pestizidfreier Anbau – nicht im Beet, sondern in einer Umgebung, die ans Labor erinnert.

Bei Greenhub in Leipzig wächst Salat in einer Nährlösung. Künstliche Sonne lässt ihn wachsen. Alle für die Pflanze wichtigen Prozesse werden über eine Software gesteuert. Das Geschäft von Kay Plat und Alexander Jaworski ist dabei der Verkauf der Indoor-Farming-Technologie – nicht des Gemüses.

Susanne Baldermann von der Uni Bayreuth beschäftigt sich wissenschaftlich mit Urban Farming. Sie hat bisher in jeder Stadt, in der sie gelebt hat, geeignete Flächen identifiziert – von der alten Fabrik bis hin zum ungenutzten U-Bahn-Schacht:

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Globale Krisen, Verstädterung und Flächenmangel führen dazu, dass sich Lebensmittelsysteme ändern und Science-Fiction-Utopien zum realen Zukunftsszenario werden.

"Die Betriebs­nachfolger waren alles Söhne"

Mit diesem Satz beschreibt Anna Catharina Voges die Realität, in der sie aufgewachsen ist. Heute leitet sie selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb am Stadtrand von Leipzig. Als es um die Nachfolge ging, übernahm sie die Mehrheitsanteile ihres Vaters als Vollhafterin – ihr Bruder die der Mutter als Mitgesellschafter.

Das ist alles andere als selbstverständlich: Nur 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. 35 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft sind Frauen.

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Studien zeigen, dass Frauen bereits heute maßgeblich zu Innovationen in Betrieben beitragen – oft informell, nicht sichtbar.

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"Elf Prozent sind zu wenig": Wie die landwirtschaftliche Bauernbank Frauen unterstützt.

Die Ernährungs‑ und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) kommt zu dem Schluss: Hätten Frauen weltweit gleichberechtigten Zugang zu Land, Technologie und Finanzierung, könnten die Ernteerträge deutlich steigen. Um bis zu:

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Wie gewöhnungsbedürftig der Gedanke an eine Frau als Betriebsleiterin ist, hat die Leipzigerin Voges selbst erlebt. Aus ihrer Familie schildert sie zwar vor allem Unterstützung. Doch als es um die Betriebsübergabe ging, brachte ein Steuerberater ganz unerwartete eigene Vorstellungen mit ein, erinnert sich Voges.

Sein einziger Fokus war, dass die Übergabe vertraglich so vonstatten geht, dass ich zwar die Mehrheitsanteile habe, aber mein Mann später mal den Betrieb führt.

Inzwischen ist Voges ihren Weg längst gegangen. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung in landwirtschaftlichen Betrieben – und verändern die Branche.

So wie die Pilzzüchterin Anja Kolbe-Nelde aus der Kyffhäuser-Region:

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Frischzellenkur für die Landwirt-Ausbildung

Benjamin Schmidt ist Landwirt im Kyffhäuserkreis in Thüringen. Über 200.000 Menschen folgen ihm auf TikTok, Instagram und Facebook.

Schmidt erklärt in seinen Videos, wie Landwirtschaft funktioniert:

  • Wie Fleisch produziert wird.
  • Was im Hühnerstall passiert.
  • Warum Bullen einen Ring in der Nase tragen.

Je mehr Schmidt von sich, seinem Betrieb und seinen Tieren zeigt, desto größer die Resonanz. Die Social-Media-Arbeit gehört für ihn heute zum Alltag. Landwirtschaft finde nicht mehr nur auf dem Feld statt – sondern auch in den sozialen Medien.

Kommunikation wird Teil der Berufsausbildung

Der Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher ist inzwischen so wichtig, dass er in die Ausbildung Einzug hält. Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung begleitet die Ausarbeitung einer neuen Ausbildungsordnung.

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Auch der Leipziger Dieter Heider, der viele landwirtschaftliche Unternehmen in Mitteldeutschland berät, hat an der Neuordnung mitgearbeitet. Die Digitalisierung spiele heute eine deutlich größere Rolle als noch vor 30 Jahren – ebenso wie der Umgang mit Öffentlichkeit, meint er. Die neue Ausbildungsordnung will beide Herausforderungen berücksichtigen.

Warum nicht die Digitalisierung in die Ausbildung aufnehmen? – fragt Schmidt. Die Handarbeit in der Landwirtschaft, die werde trotzdem bleiben, Landwirt ein praktischer Beruf. Draußen, im Stall, auf dem Feld. "Und dabei macht man sich eben auch mal schmutzig."

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Wie ein mobiler Labor-Pickup die Landwirtschaft verändern soll

Die Landwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Steigende Kosten, Klimastress und Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, effizienter und ressourcenschonender zu wirtschaften. Genau hier setzt eine neue Generation digitaler Technologien an: Künstliche Intelligenz, Drohnen und mobile Forschungslabore verändern die Arbeit auf dem Acker – leise, präzise und datenbasiert.

Statt Bodenproben ins Labor zu bringen, kommt die Forschung inzwischen selbst zum Feldrand. Mobile Labore auf Rädern bündeln Sensoren, Bodenscanner und Drohnentechnik in einem Fahrzeug. So lassen sich Nährstoffgehalt, Bodenstruktur und Feuchtigkeit direkt vor Ort analysieren – bis weit unter die Oberfläche. Damit wird Forschung schneller, praxisnäher und für Landwirtinnen und Landwirte unmittelbar nutzbar.

KI entscheidet mit

Drohnen liefern hochauflösende Bilder aus der Luft, Sensoren sammeln Messdaten im Boden – doch erst Künstliche Intelligenz macht diese Daten wirklich wertvoll. KI‑Systeme erkennen Muster, bewerten den Zustand von Pflanzen und helfen dabei, Entscheidungen zu treffen:

  • Wo fehlt Dünger?
  • Wo breitet sich Unkraut aus?
  • Wo kann Pflanzenschutz eingespart werden?

Das Ziel ist klar: so viel wie nötig düngen, aber auch, so wenig wie möglich. Betriebsmittel werden so gezielter eingesetzt, Kosten sinken – und Umwelt sowie Böden werden geschont.

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Carbon Farming

Wie Landwirte doppelt "ernten" können

Der Boden zählt

Wenn Biolandwirt Robert Künne über seinen Betrieb spricht, macht er schnell klar, was zählt: "Mein größtes Kapital ist der Boden". Künne bewirtschaftet bei Leipzig rund 400 Hektar Ackerland.

Er betreibt sogenannte regenerative Landwirtschaft. Sein Ansatz: den Boden sanft bearbeiten, möglichst in Ruhe zu lassen. Statt kahler Felder wächst fast das ganze Jahr über etwas. Eine "grüne Brücke", die den Boden schützt.

Unsichtbares Fundament

Unter der Oberfläche entsteht Humus. Laut Axel Don vom Thünen-Institut in Braunschweig der zentrale Indikator für Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit. Humus speichert Wasser, hält Nährstoffe im Boden und schützt vor Erosion.

Gerade in Zeiten von Hitze und Dürre wird das immer wichtiger. Hinzu kommt, dass der Humus rund zur Hälfte aus Kohlenstoff besteht. "Dieser Kohlenstoff stammt ursprünglich aus der Atmosphäre, war dort CO₂ und Treibhausgas", erklärt Axel Don den doppelten Zusammenhang zwischen Humus und Klima: "Und wenn er im Humus gebunden ist, dann ist er damit nicht mehr klimawirksam, dann kann er die Klimaerwärmung nicht mehr vorantreiben".

Humus bindet also Kohlenstoff – und damit CO₂ aus der Atmosphäre. Ein gesunder Boden ist so auch Klimaschutz.

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Plötzlich ein neuer Markt

Wer Kohlenstoff im Boden speichert, kann dafür Geld bekommen – über CO₂-Zertifikate. Von Unternehmen, die ihre Emissionen ausgleichen wollen. Noch ist dieser Markt klein. Der Bodenforscher Don aber rechnet damit, dass sich das bald ändern wird, die EU noch in diesem Jahr neue Regeln zu diesen Zertifikaten aufstellt.

Don erforscht, wie Landwirte Humus-Maßnahmen besser in ihren Betrieb integrieren können. 150 konventionelle und biologische Betriebe aus ganz Deutschland machen beim "HumusKlimaNetz" mit. Sie testen, wie Zwischenfrüchte zwischen den Hauptkulturen den Boden bedecken und wie aufwendig ihre Zucht ist.

Humus braucht Zeit, neue Anbaumethoden – und oft mehr Aufwand im Betrieb. Für Robert Künne ist er trotzdem eine doppelte Ernte: oben Getreide, unten Klimaschutz.

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