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Ende Gelände? Wie lebt es sich im ländlichen Raum in Sachsen?

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Die Mehrheit der Sachsen lebt im ländlichen Raum. Seit Jahren ist für sie der Strukturwandel Alltag. Viele Menschen ziehen weg. Doch einige entscheiden sich auch bewusst fürs Landleben.

Doch wie sieht es am Land in Sachsen eigentlich genau aus? Wie hat sich die Bevölkerungsstruktur in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie sieht die Lage am Arbeitsmarkt aus? Wie sicher fühlen sich die Menschen dort? Ein Überblick.

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Im Alltag wird der "ländliche Raum" oft nur mit kleinen Gemeinden und Dörfern assoziiert. Politik und Verwaltung verstehen darunter aber auch mittelgroße und kleine Städte. Demnach gehört in Sachsen alles zum ländlichen Raum, was außerhalb der kreisfreien Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz liegt. Von den vier Millionen Sachsen wohnen folglich gut 2,7 Millionen in ländlichen Gebieten – rund zwei Drittel der Bevölkerung.

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In den kommenden zehn Jahren verliert der ländliche Raum rund 174.000 Bewohner. Das entspricht der Bevölkerung von Zwickau und Plauen zusammen.

Außerdem altert die Landbevölkerung. Der Anteil der Einwohner unter 20 Jahren sinkt laut Vorausberechnungen des Statistischen Landesamtes in den kommenden zehn Jahren um 3,5 Prozent. Bei den 20- bis 65-Jährigen wird ein Rückgang um rund 15 Prozent erwartet. Am stärksten altert der Landkreis Görlitz. 2027 werden dort 34 Prozent der Einwohner älter als 65 Jahre alt sein und nur 17 Prozent jünger als 20 Jahre.  

Es gibt aber gegenteilige Trends:

- Zahl der Geburten gestiegen
- Abwanderung gestoppt - aber: regionale Unterschiede

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Die Karte zeigt die Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen mit ihrem prognostizierten Durchschnittsalter im Jahr 2030.

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In den sächsischen Landkreisen schwinden die Arbeitskräfte. Die Zahl der erwerbsfähigen Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 65 Jahren nahm von 2007 bis 2015 im ländlichen Raum um durchschnittlich 13,7 Prozent ab.

Die Arbeitsagentur erwartet einen weiteren Rückgang. Nach einer Hochrechnung des Statistischen Landesamtes wird zum Beispiel der Erzgebirgskreis bis 2025 weitere 19,7 Prozent seiner erwerbsfähigen Bevölkerung verlieren.

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2007 gab es im ländlichen Raum in Sachsen noch 45 Polizeireviere. Zehn Jahre später waren es nur noch 28. Als Kompensation entstanden mancherorts sogenannte Polizeiposten. Die Zahl dieser kleineren Polizeiwachen stieg auf dem Land im gleichen Zeitraum von 82 auf 100.

Die Zahl der Polizisten ist nicht im gleichen Ausmaß gesunken. 2007 arbeiteten im ländlichen Raum 3.224 Polizisten. Zehn Jahre später waren es lediglich 56 Beamte weniger. Fakt ist aber, dass Polizisten aus ländlichen Gebieten in die mittelgroßen Städte verlegt wurden.

Ein Beispiel: Im südlichen Vogtlandkreis waren 2007 an vier Standorten noch 104 Polizisten eingesetzt. Aktuell sind es auf den vier Posten lediglich noch 20.

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In Sachsen soll ein Hausarzt statistisch knapp 1.700 Einwohner versorgen. In acht Regionen – es handelt sich um spezielle Gebietszuschnitte – gibt es zu wenige Hausärzte. Bei unter 90 Prozent liegt die Versorgung nach offiziellen Angaben in Auerbach, Freital, Hoyerswerda, Marienberg, Reichenbach, Stollberg, Torgau und Weißwasser. Im Bereich Stollberg ist die Hausarztversorgung mit Abdeckung von rund 80 Prozent am schlechtesten. Dort arbeiten 41 Hausärzte, 16 Stellen sind frei. Um das Problem zu lösen, bekommen Ärzte zusätzliche Fördergelder vom Land, wenn sie sich in unterversorgten Gegenden niederlassen.

Allerdings ist der Altersdurchschnitt der Hausärzte im Freistaat insgesamt hoch. Circa ein Viertel der Allgemeinmediziner ist älter als 60 Jahre. 12 Prozent der Hausärzte sind sogar älter als 65.

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In Sachsen gelten 166.792 Menschen als pflegebedürftig oder erhalten Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung, davon 120.937 im ländlichen Raum. Das entspricht einem Anteil von 72,5 Prozent.

Auf 1.000 Einwohner gerechnet sind sachsenweit im Durchschnitt 40,8 Menschen pflegebedürftig. Im Jahr 2007 waren es nur 30,1.

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Die Pflegequoten variieren dabei stark abhängig vom Altersdurchschnitt der Bevölkerung. Acht der zehn Landkreise liegen bei der Pflegequote deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 40,8 Menschen/1.000 Einwohner.


Die meisten Pflegebedürftigen auf die Zahl der Einwohner gerechnet gibt es in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und dem Erzgebirgskreis.

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Nur 52 Prozent der Sachsen haben Anschluss an das Nahverkehrsnetz. Bis 2025 sollen es 80 Prozent sein.

Als "angeschlossen" gilt ein Haushalt, wenn mindestens ein Nahverkehrsangebot im Zwei-Stunden-Takt gemacht wird, welches fußläufig zu erreichen ist. Vor allem im ländlichen Raum gibt es erhebliche Defizite.

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* die Oberzentren Plauen, Zwickau und Görlitz verfügen über ein stadtweites Angebot an Bus und Straßenbahn

* In den Landkreisen konzentriert sich das ÖPNV-Angebot auf den Schülerverkehr. Für Arbeitnehmer, Besorgungen oder die Freizeitgestaltung mangelt es dagegen an einem verlässlichen Nahverkehr.

DIE FOLGE: Im ländlichen Raum setzen die Menschen vor allem auf das eigene Auto. Die Pkw-Dichte ist im ländlichen Raum deutlich größer.

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Sachsen hat in den vergangenen Jahren aufgeholt. Ende 2010 hatten lediglich knapp 19 Prozent der Haushalte einen schnellen Zugang zum Internet mit 50 Mbit/s. Ende 2017 waren es schon fast 66 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 77 Prozent.

Vor allem im ländlichen Gebieten ist der Aufholbedarf dennoch weiter groß. Während in Leipzig mehr als 90 Prozent der Haushalte mit mehr als 50 Mbit/s ins Internet gehen, sind es in den Landkreisen Mittelsachsen, Nordsachsen oder Görlitz jeweils weniger als 50 Prozent.

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Wie vielfältig das Angebot bei Kultur und Freizeit auf dem Land ist, lässt sich nur annäherungsweise darstellen. Die Zahlen in den folgenden Bereichen deuten darauf hin, dass das Angebot auf dem Land in den vergangenen Jahren nur leicht ausgedünnt wurde.


Theater: Deren Anzahl ist seit laut Deutschem Bühnenverein seit zehn Jahren konstant. Es gab zwar einige Fusionen, zum Beispiel der Theater in Zittau und Görlitz, aber dabei blieben alle Sparten erhalten. Andererseits ist die Zahl der Spielstätten schon seit langem überschaubar. Aktuell gibt es im ländlichen Raum in Sachsen lediglich fünf Theater mit eigenen Schauspiel- beziehungsweise Musikensembles.

Abgenommen hat hingegen die Zahl der Kinos im Freistaat. Gab es 2007 noch 111 Spielstätten, so sind waren es 2017 nur noch 88.

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