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Los geht's

#PyeongChang2018 - Spiele unterm Raketenschirm

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Fernrohre mit Blick nach Nordkorea




Auch wer in gut sortierten Reise-Buchhandlungen Lektüre über Südkorea sucht, wird nur schwer fündig. 

Der monatelange verbale Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zeichnet ein gespenstisches Bild von der Gefahrenlage auf der geteilten Halbinsel.  

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Karte Halbinsel




Doch wie fühlt es sich vor Ort tatsächlich an? 



Seit dem Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 üben weltweit Athleten, Betreuer und Journalisten die Aussprache von Pyeongchang, dem Landkreis mit rund 45.000 Einwohnern. 

Eine dünn besiedelte Region, die viele Ambitionen hat. 






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Die Olympische Flamme brennt



Ein stolzer Moment für die meisten Südkoreaner.  

Die Olympische Flamme brennt. Nur 80 Kilometer von Nordkorea entfernt.

Nach all den Drohgebärden im Vorfeld stehen die Zeichen nun auf Entspannung. Auf Dauer? 




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Einmarsch der Teams von Nord- und Südkorea





Die Teams von Südkorea und Nordkorea laufen gemeinsam unter der Vereinigungsflagge ein. 

Das erste Mal nach 11 Jahren Pause wieder und gerechnet hatte damit kaum noch jemand. 

Aber:
Das gab es alles schon. Genau neun Mal. 

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Zehn Stunden haben wir Zeit für unsere Reise in die Grenzregion. Es geht zuerst über die Schnellstraße Richtung Norden und dann über den berühmten 38. Breitengrad hinweg. 

Im Gepäck haben wir: Angelesenes Halbwissen und eine unbändige Neugier.

Ist das Leben an äußersten Rand der Olympia-Region ein Leben im Wartestand?

 

 

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Urlaub am Meer

In der Grenzregion reiht sich ein schöner Strand an den nächsten, im Sommer ein Urlaubsparadies für hitzegeplagte Hauptstädter. 

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Viele Ortschaften der Grenzregion profitieren vom Tourismus. Auch Songjung. 300 Einwohner leben hier. Es gibt eine Partnerschaft mit Bayreuth und einen Entwicklungsplan. 


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Zukunftsplan Tourismus




Der Urlaubsdorf ist im Sommer gut gebucht, im Winter jedoch verwaist. Nur ganz vereinzelt kommen die Erholungssuchenden.

Mit den Olympischen Spielen keimt die Hoffnung auf, die Region möge doch bitte auch als Wintersport-Mekka bekannt werden.

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Olympia kann uns helfen, meint der ehemalige Bürger-Vorsteher von Songjung, Nam Gi Won. Man müsse die jungen Leute von der Abwanderung abhalten. 

Dass es ein gemeinsames Damen-Eishockey-Team mit Spielerinnen aus Nord- und Südkorea gibt, begrüßt er,  bezweifelt aber nachhaltige Effekte. Es gab nach positiven Zeichen bisher immer Rückschläge. 

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Eine Lagune vor dem Taebaek-Gebirge




Wir reisen weiter entlang einer Lagune unterhalb des Taebaek-Gebirges.

Hier entlang verläuft die "Romantische Straße". Ein findiger Südkoreaner brachte die Marketing-Idee aus Deutschland mit. 

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Vereister Sperrzaun am Strand


Es ist so kalt wie seit Jahren nicht. Bei Temperaturen von - 15 Grad gefriert an Spritzstellen das Meerwasser. 

Eiszeit im doppelten Sinne. Wir sehen den Zaun, der unübersichtliche Küstenabschnitte absperrt.  

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Kids am gefrorenen Sperrzaun





Der lange Zaun gehört schon immer zu ihrem Leben. Sonst beachten sie ihn kaum. Aber die ungewöhnlichen Eiszapfen faszinieren. 

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Von der Grenze bis 100 Kilometer in den Süden sollen die Absperrungen vor  einer Invasion oder auch vereinzelten Provokationen schützen.

Wie real die Gefahr gegenwärtig ist, kann keiner einschätzen. Auf höchster Ebene deutet sich jedenfalls politisches "Tauwetter" an.

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Die Sperr-Zäune richten sich aber nicht gegen Flüchtlinge. 

30.000 Nordkoreaner leben in Südkorea. Rund 1.000 gelingt jedes Jahr die Flucht.

Ungezählt bleiben all jene, die es nicht schaffen.

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Es ist Mittag geworden. Ein einfaches Restaurant im letzten Ort vor den Sperrzonen an der Grenze. 

Fünf Männer - drei arbeiten bei der Armee, einer als Bauer und einer als Fischer. 

Was halten sie von Olympia und gemeinsamen Teams? 

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Ein Flüchtling erzählt



Neugier auf beiden Seiten. Wir setzen uns zu ihnen.

Oh, wie schön, ihr seid aus Deutschland, sagen sie erfreut. Wir erzählen von damals, von Ost und West.  

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Das Handy als Beweis der Flucht-Geschichte






Plötzlich zückt der Fischer sein Handy.
Es erzählt von einer Dokumentation über ihn. 
Der Titel: "Old Marine Boy" (2017).  

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Die Geschichte der Flucht



2006 versuchten 10 Männer, in einem Boot zu fliehen.

Fünf gaben auf, drei starben, einer verletzte sich schwer. 




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Er hat das schicksalsschwere Wagnis überlebt, zurück blieb sein Bruder. 

Olympia sei eine gute Sache, sagt er uns zum Abschied, aber er sei skeptisch.

Gemeinsame Teams habe es schon oft gegeben, dies sage noch nichts aus über die Zukunft, über eine mögliche Wiedervereinigung. 

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Maskottchen im Doppelpack






Da sie uns immer begegnen, erzählen wir gern die Legende dazu: Ein Tiger und ein Bär wünschten sich, ein Mensch zu werden. Dafür sollten sie 100 Tage nur mit Knoblauch und Beifuß auskommen.

Der Tiger hielt es nicht aus, der Bär schon - er wurde eine Frau, heiratete und gebar den Gründer der koreanischen Nation.

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Keine Olympia-Begeisterung




Doch für die Maskottchen und die Olympischen Winterspiele interessieren sich diese Touristen nicht. Sie wollen eine andere legendäre Stätte besuchen. 

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Nachgebautes Sommerhaus von Kim Il-Sung

Auf unserer Reise sind wir nördlich von Sokcho angekommen. Hier steht der Nachbau des 1937 von einem Exil-Deutschen gebauten Sommerhauses von Nordkoreas Staatsgründer.

Ob Kim Il Sung allerdings je hier war, darüber gibt es unterschiedliche Auskünfte. 

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Ein Foto an der Mauer der Gedenkstätte belegt aber offenbar die Familien-Beziehung. Fünf Kinder sind auf der Sommerhaus-Treppe zu sehen. Der Pfeil markiert Kim Il Sungs Sohn Kim Jong Il, er ist circa 5 Jahre alt.  

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Das Museum zeigt die Folgen der Trennung



Nord- und Südkorea sind inzwischen mehr als 70 Jahre getrennt.

Für uns bleibt schwer vorstellbar, wie die beiden Staaten, einer lange bettelarm, der andere eine führende Kraft bei der Digitalisierung, wieder zusammenfinden können.

 

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Das koreanische Alphabet gehört zum Weltkultur-Erbe. Es wurde 1443 von König Sejong dem Großen entwickelt und gilt als logischste Schriftsprache der Welt. 

Die Tabelle listet Beispiele auf, wie sehr die Sprache zwischen Süd und Nord inzwischen auseinander driftet.  

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Die Fahnen von Olympia und den Paralympics vor dem DMZ-Museum


Soohorang und Bandabi sind auch vorm DMZ-Museum geflaggt. "DMZ" steht für demilitarisierte Zone, ein 248 Kilometer langer und unterschiedlich breiter Streifen. 

Es wirkt friedlich hier. Um aber überhaupt in die kontrollierte Zone vor der DMZ herein gelassen zu werden, müssen wir unsere Pässe abgeben.



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Karte der verschiedenen Grenz-Zonen


Wir lernen:
Der grüne Streifen markiert die DMZ, wir befinden uns noch davor - in der weniger bekannten gelben, der sogenannten "Civil Protection Zone". 

Hier leben nur noch wenige, alle anderen dürfen den Kontrollposten nur zum Arbeiten passieren.

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Hunderte Schautafeln und aufwändige  Multimedia-Präsentationen zum Korea-Konflikt gibt es im DMZ-Museum, aber auf diese Reminiszenz an die deutsch-deutsche Geschichte weisen sie uns extra hin.

Für sie ist es das Mut machende Beispiel einer Wiedervereinigung.  

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Der Direktor des DMZ-Museums

Lee Sang Ho ist der Museums-Direktor.

Jeden Tag fährt er durch die Kontrolle und wartet dann mit seinen Mitarbeitern auf Touristen-Busse in der einsamen Zone.

Olympia, so sagt er, sei eine Chance, gerade die nordöstliche Provinz Gangwon bekannter werden zu lassen, aber der Weg zu der von vielen erhofften Wiedervereinigung sei lang. 

 


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Ausgediente Beschallungsanlagen



Beim Verlassen des DMZ-Museums fallen uns die Propaganda-Anlagen auf. Sie zeigen jetzt in die falsche Richtung. Früher wurde die Bevölkerung in Nordkorea beschallt - die andere Seite gab sich alle erdenkliche Mühe lautstark zu kontern.  

Jetzt sind die Mega-Lautsprecher still.

Tatsächlich für immer? 

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Fernrohr-Armee an Goseong Unification Observatory





Wir sind am nördlichsten Punkt der "Civil Protection Zone" angekommen. Gleich unterhalb des Geländers beginnt die DMZ. 

 

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Der Blick in das so unbekannte Land



Die kleinen Inseln am Horizont gehören zu Nordkorea.

Auf den Bergkuppen beidseitig der Grenze sind recht klein, aber deutlich die Militär-Bastionen beider Armeen  erkennbar. 

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Auf dem Wiedervereinigungs-Hügel





Ein bisschen gespenstisch ist es auf der Aussichts-Plattform des "Goseong Unification Observatory".
Auf dem sogenannten Wiedervereinigungs-Hügel.  

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Der Wunsch nach Wiedervereinigung

In das Gras geschriebene Begrüßungen und Botschaften haben wir unterwegs viele gesehen. 

Dieser Wunsch nach Wiedervereinigung hier am nördlichsten Punkt der "Civil Protection Zone" hinterlässt trotzdem seine Wirkung.

Eine Nachdenklichkeit, die anhält.   

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Auf der Heimreise grüßen uns wieder die beiden Maskottchen, nicht von einer großen Werbe-Bande, sondern von einer der zahlreichen Panzer-Sperren. 





 

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Abendstimmung in der Olympia-Region



Zehn Stunden Zeit, viel zu wenig, um mehr als von bewegenden Moment-Aufnahmen zu erzählen. 

Aber wir haben viel im Gepäck: Erlebte Geschichte.  








Fotos / Storytelling: Sylvia Peuker / MDR
Recherche / Organisation: Frank Hollmann / BR
Fotos: AP (1), dpa-Bildfunk (1) 



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