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Zug um Zug
Vom Leben auf schmaler Spur

Zug um Zug – Vom Leben auf schmaler Spur

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Nach 1.000 Kilometern mit dem Autozug von Hamburg nach Wien, nach nochmal 700 Kilometern auf teils maroden Straßen und Serpentinen sind sie endlich angekommen im nordrumänischen Vişeu de Sus, schon dicht an der ukrainischen Grenzen.

Carsten und Ingo sind glücklich, vor allem, dass sie gleich zur Übernachtung in einen Hotelzug einchecken können. Einen Speisewagen gibt es auch: DDR-Produktion der 1970er-Jahre!  Die Nacht wird kurz.

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Noch vor Sonnenaufgang steigen Carsten und Ingo am Bahnhof Vişeu de Sus in den Zug, sie wollen zum Lokschuppen der berühmten Wassertalbahn. Denn dort, so ihre Hoffnung, liegen vielleicht noch Ersatzteile für "Emma".

Im Morgengrauen bringt die letzte, echte Waldbahn der Karpaten die Holzarbeiter in die Berge. Früher flößten sie die Stämme ins Tal, vor 90 Jahren baute man die Schmalspurbahn, die bis heute auch das Tal der Vaser versorgt. Eine Straße gibt es nicht.

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Die Wassertalbahn schiebt sich mit 10 km/h in die Berge. Carsten und Ingo fühlen sich in eine andere Zeiten versetzt, wenig scheint sich in den vergangenen 90 Jahren verändert zu haben. Hier oben gibt es keine Rangierlok. Mit Seilen werden die leeren Wagen aufs Nebengleis gezogen. Der Bremser steht während der Fahrt hinten auf dem Zug, bei Wind und Wetter. Und auf einmal muss er blitzschnell reagieren! 

Zu Entgleisungen kommt es öfter: Die Kleinprofilschienen sind nur verschraubt, "durch Hochwassereinfluss und mangelnde Wartung streben sie oft recht eigenwillig ihrem Ziel zu", notiert Carsten später. Doch was jetzt?

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Den Leuten bei der Wassertalbahn fällt immer etwas ein. Zum Beispiel, wie man Automobile "mit irgendwelchen Fangeisen und Fesern" auf 760 mm Schmalspur setzt. So eine "Draisine" kommt, um Carsten und Ingo nach der Entgleisung zu retten. Beide sind so begeistert, dass sie gleich ein Foto mit der Empfehlung zum Nachbau nach Hause schicken. Ließe sich der Ford Transit von Richard so nicht zu einem Super-Inspektionsfahrzeug machen?

Endlich angekommen im Lokschuppen wird die Freude noch größer, denn die gesuchten Ersatzteile, Pumpen und Turbogenerator gibt es. Nur leider werden sie vor Ort gebraucht. Alles umsonst?

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Ihre letzte Hoffnung trägt einen Namen: Georg Hocevar sollen Carsten und Ingo aufsuchen. Der gebürtige Österreicher betreibt das Ausbesserungswerk "Calea Ferrara ingusta SRL" in Brad. Tatsächlich liegen die Hallen voller Teile zerlegter Loks und Bahnen.

1.200 Menschen arbeiteten einst auf dem Gelände des nahen Bergwerks, heute reparieren hier noch 75 alte Eisenbahntechnik, darunter übrigens auch Schweißerinnen, in Rumänien ein typischer Frauenberuf.

Und tatsächlich machen Carsten und Ingo einen großen Fund! In der Halle und in einem Aktenschrank.  

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Nicht weit von Magdeburgerforth enden Gleise im Wald. Einst war die Kleinbahn-Strecke im östlichen Sachsen-Anhalt 102 km lang, sie führte von Burg nach Ziesar und von Ziesar nach Gommern. Zuckerrüben und Kartoffeln transportierte die Schmalspurbahn. Die Kinder fuhren damit zur Schule. 1965 war Schluss. Ingo Dorbrietz bedauert das. Er gehört zu den Enthusiasten, die hart daran arbeiten, eine Museumsbahn aufs Gleis zu setzen und die Strecke wieder zu verlängern. Die Devise: Von Magdeburgerforth aus "immer weiter bauen Richtung Altengrabow".

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"Operation Schiene“ scheint in Gefahr. Dabei braucht der Traditionsverein "Kleinbahn Kreis Jerichow 1" dringend welche, um die alte Strecke von Magdeburgerforth noch weiter auszubauen. Und hier neben einem toten Gleis in der Umgebung sind die "Schatzsucher" Manfred Jonko, Richard Graßmann und Ingo Dorbrietz fündig geworden. Die Genehmigung haben sie auch. Nur wie bekommen sie die tonnenschwere Last ins Hauptquartier?

Richard, Lokschlosser im Ruhestand und Manfred, gelernter Kfz-Meister mit Schweißerpass, wachsen mal wieder über sich hinaus.

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Die Ausflügler kamen früher aus der ganzen Umgebung, sogar aus Magdeburg. Dass Magdeburgerforth wieder zum touristischen Ziel wird, auch dafür arbeiten die Kleinbahner.

Bis zur Kirche nach Magdeburgerforth-Mitte soll die Kleinbahn nach den Plänen der Vereinsfreunde bald wieder führen: "Wir kommen dann an der Hauptstraße bis zu einem historischen Haltepunkt der früheren Kleinbahn und hätten den Ort halb umrundet. Ein Fördermittelantrag dazu läuft."

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Im alten Bahnhof von Magdeburgerforth befindet sich heute das Hauptquartier der Kleinbahner vom Traditionsverein KJ-1. Einst gab es darin auch ein schönes Ausflugslokal, wie diese Aufnahme aus den 1920er-Jahren zeigt. Heute öffnet zu besonderen Anlässen das Bahnhofsbistro und Evelin Fabricius, Schatzmeisterin des Vereins, schenkt aus.

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Viele Kleinbahnlinien zweigten Ende des 19. Jahrhunderts von den großen Strecken in der Region ab und erschlossen die "Jerichower Schweiz" auch für Ausflügler. Aus dieser Zeit stammt auch das Bahnhofsgebäude, in dem heute Peter wohnt und eine Auge auf alles hat. Schritt für Schritt soll es saniert werden. Demnächst ist der historische Giebel dran.

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Zum harten Kern der Kleinbahnfreunde gehören nur um die 15 Leute, die sich mindestens einmal in der Woche im Hauptquartier in Magdeburgerforth treffen und dann tun, was getan werden muss.

Dass sich Edwin dort so selten blicken lässt, hat einen guten Grund: Er hat das KJ-1-Projekt in sein Heim verlegt. Schon 1990, als seine Töchter noch klein waren, erzählt er, da begann er, mit seiner Modulanlage 0E. Das Lebenswerk strebt seiner Vollendung zu. Inzwischen fährt die Kleinbahn durch sein Haus. Aber nur, wenn seine Frau nicht da ist.


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Auch Edwin richtet gerade eine Dampflok her. "Emma" in Gold? "Nein, die wird noch komplett schwarz lackiert", erzählt er. "Aber erst, wenn alles dran ist, die ganzen Leitungen fehlen ja noch".

Von der großen "Operation" seiner Vereinsfreunde bekommt er gar nicht viel mit. Er schmunzelt und meint, mit seiner  "Emma" en miniature werde er wohl eher fertig.

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Eines Tages soll auf der alten Schmalspurstrecke wieder eine Dampflok fahren. 11.000 Euro hat der Verein aufgebracht für "das schöne Lokomotivchen", das sie auf den Namen "Emma" tauften. Gebaut wurde sie bei Hentschel & Sohn in Kassel, genau wie die Lok, die einst im Jerichower Land unterwegs war.

Doch mittlerweile ist "Emma" 90 Jahre alt – und braucht eine Generalüberholung. So ein Projekt hatten sie im Verein noch nie!

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Wenn "Emma" je wieder fahren soll, muss sie für die Restaurierung in ihre Einzelteile zerlegt werden. Das sind hunderte. Doch nach all den Jahren gibt es keine Baupläne mehr, und jede Dampflok ist ein Unikat.

Gut, dass Uwe Mehnert von der Museumsbahn Schönheide hilft, er zerlegt auch beruflich Dampfloks in einem Ausbesserungswerk. Bevor es "Emma" an die Eingeweide geht, rät er eindringlich, alle Teile fein säuberlich zu beschriften. Doch erstmal rankommen müsste man, "Emma" leistet Widerstand.

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"Staff Only"! Wenn dieses Schild an der Tür hängt, braut Carsten Müller wieder "Schwellenöl". Der Apotheker scheut keine Mühen für "Emma", seine neue Leidenschaft. Nun soll es sogar nach Rumänien gehen, wo die Kleinbahnfreunde nach Recherchen noch Unterlagen und vielleicht sogar Ersatzteile vermuten. 

Einst war die Lok in einem Betonwerk in München im Einsatz. Zwischen 1965 und 1995 erfreute sie Kinder einer Grundschule als Spielgerät. Ein Liebhaber reaktivierte sie und brachte sie in die Karpaten. Dorthin nimmt Carsten seinen berühmten Lakritzlikör als Gastgeschenk mit. 

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Die Instandsetzung der Lok wird den Verein wohl um die 100.000 Euro kosten. Das kann keiner der Kleinbahnfreunde privat bezahlen. Und Fördergeldanträge dauern. Also machen sie erstmal selber Dampf – beim Fotoshooting für einen Kalender: Sie selbst sind die Models!

Beim nächsten Bahnhofsfest in Magdeburgerforth wollen sie mindestens 500 Stück verkaufen. Nicht alle sind gleich begeistert, Coverboy für "Emma" zu sein.

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Nicht nur Herren mittleren Alters, so wie der gelernte Gleisbauer Peter Hartung oder Apotheker Carsten Müller, gehören zum harten Kern von KJ-1. Benjamin Ebrecht ist Jahrgang 88 und auch im Vorstand. Praktisch, dass er Verkehrswesen und Informatik studiert hat.

Um an Geld für "Emma" zu kommen, setzt er auf Crowdfunding. Dafür baute er eine ganze Präsentation und Peter, der sie als erstes sieht, ist begeistert: "Du faszinierst mich immer wieder!"

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Ein alter Bahnhof verlassen im Wald? Vor 120 Jahren wurde Magdeburgerforth an die Kleinbahnstrecke durch die "Jerichower Schweiz" angeschlossen. Und 1965 wieder abgekoppelt. Danach kamen nur noch Mäuse und Ratten.

Bis ein paar Enthusiasten den alten Bahnhof wiederentdeckten und zum Hauptquartier ihres Traditionsvereins KJ-1 machten. Ziel: Aufbau einer Museumsbahn mit einer rekonstruierten Dampflok, die wieder Leben hierher bringen soll. Seitdem dreht sich alles um eine gewisse "Emma" und ihren Kessel, um Schotter und um Schienen.

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In den letzten zehn Jahren der Kleinbahn war Rudolf Dorbrietz hier Bahnhofsvorsteher: "Das war die beste Zeit in meinem Leben", sagt er wehmütig, als er die Amateuraufnahmen von der letzten Fahrt am 25. September 1965 ansieht. Die Familie lebte im Bahnhofsgebäude und so kommt es, dass plötzlich sein Sohn Ingo als kleiner Junge durchs Bild läuft.

Heute mischt Ingo Dorbrietz, gelernter Elektriker bei der Deutschen Bahn, im Vorstand des Traditionsvereins mit und sein Vater ist ein bisschen neidisch, dass er in seinem Alter nicht mehr mitreisen kann nach Rumänien, um dort Ersatzteile für die alte Dampflok "Emma" aufzutun. 

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Bis "Emma" wieder fährt, das dauert noch. Die Generalüberholung der 90 Jahre alten Dampflok, die der Verein kaufte, ist aufwändig. Was also wird aus dem nächsten Bahnhofsfest, auf dem sie schon dabei sein sollte?  

Der Kleinbahnverein in Schönheide im Erzgebirge springt in die Bresche. Nur muss die Schmalspurlok 99 582 erstmal auf einen Schwerlaster, um sie über 300 Kilometer nach Sachsen-Anhalt zu schaffen und in Magdeburgerforth aufs Gleis zu setzen. Ingo leitet alles in die Wege. Was für eine Aktion!

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Zum Bahnhofsfest fährt die Kleinbahn von Magdeburgerforth aus wieder ein Stück durch die "Jerichower Schweiz". Auch wenn es erstmal "bloß" 500 Meter in die eine und 800 Meter in die andere Richtung geht. Auch wenn noch nicht "Emma", sondern die  Lok von den Freunden aus Schönheide Dampf macht.  

Die Kleinbahnfreunde vom Traditionsverein KJ-1 sind noch lange nicht fertig! Zurzeit arbeiten sie an der Strecke bis Magdeburgerforth-Mitte. "Emmas" Kessel soll in die Werkstatt und ein Teil des historischen Bahnhofs saniert werden. Dafür brauchen sie nicht nur eine Lok und Schienen, sondern eine Menge Schotter und am besten noch mehr Mitstreiter. 

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